Neuer Disney-Chef
Der Kavaliersstarter

Für manchen Reporter in Hollywood ist die kommende Woche eine traurige. Denn es ist die letzte Woche von Michael Eisner als Disney-Chef – und damit als lohnenswertes Objekt von Geschichten um Machtspiele und despotische Management-Methoden.

Am 1. Oktober soll es ruhiger werden. Zumindest, was die Negativmeldungen betrifft. Denn dann übernimmt Robert Iger offiziell das Ruder bei der Walt Disney Co.

Doch schon jetzt legt er die Leitlinien fest und hat seit seiner Ernennung im März viele Kritiker überrascht: Der Porsche-Fan legte einen Kavaliersstart hin. So begrub der Konzern das Kriegsbeil mit Gründerneffe Roy Disney, das zu einem Aktionärsaufstand gegen Eisner geführt hatte. Auch nahm Disney die Gespräche mit Apple-Chef Steve Jobs über eine Fortführung des profitablen Gemeinschaftsunternehmens Pixar wieder auf. Das Trickfilmstudio ist Produzent von Hits wie „Nemo“ und „Toy Story“.

Fünf Jahre stand der Hobby-Triathlet Iger unter der Knute Eisners. Damals hatte Disney seinen Arbeitgeber, die TV-Anstalt ABC, übernommen. Typisch für Eisner, dass er Iger, die Nummer zwei in der Disney-Hierarchie, öffentlich lobte und ihn hinter der Hand niedermachte.

In seinem Buch „The Disney Wars“ schreibt James Stewart, Eisner betrachte Igers Führungsstil als „schwach und dumm“, ihm fehle „jede Art von Kreativität“. Ehemalige Disney-Manager sagen Iger nach, er schmücke sich mit guten Entscheidungen, die nicht von ihm kämen, und drücke sich vor der Verantwortung für schlechte eigene. Als der Aufsichtsrat seine Ernennung zum Nachfolger von Eisner verkündete, drohten Roy Disney und sein Partner Stanley Gold mit einer Klage. Die beiden Ex-Aufsichtsräte waren 2003 aus Protest zurückgetreten. In einer beispiellosen Kampagne auf der Hauptversammlung 2004 mobilisierten sie 45 Prozent der Stimmen gegen Eisner. In Iger sahen sie nur den langen Arm des desavouierten Vorstandschefs.

Die Nachfolgeregelung wäre vor zwei Jahren noch ein willkommener Beweis für Vertrauen und Führungskontinuität gewesen. Nachdem Eisners zwanzigjährige Herrschaft über das Mickymaus-Imperium in einem Gerichtssaal in Delaware aufgearbeitet worden war, war sein Plazet für Iger fast wie der Todeskuss eines Mafia-Bosses. Vor Gericht ging es um eine Aktionärsklage wegen Michael Ovitz, den Eisner zum Disney-Präsidenten gemacht hatte und nach gut einem Jahr mit einer Abfindung von 140 Millionen Dollar wieder entließ. Zeugen in dem Verfahren zeichneten Disney als einen Hort von Geldgier und Intrigen. Aktionäre forderten deshalb einen völligen Bruch mit der Vergangenheit. Mittlerweile ist die Kritik an Iger verstummt. Sein Burgfrieden mit Roy Disney und Stanley Gold fand ebenso Beifall wie seine Bemühungen um eine Einigung mit Apple. Intern löste Iger eine strategische Planungsgruppe auf und gab den Geschäftsführern der verschiedenen Konzernbereiche mehr Entscheidungsfreiheit. Eisner hatte sie als Instrument der zentralen Kontrolle geschaffen. „Bob ist genau auf dem richtigen Weg. Er muss jetzt nur so brillant weitermachen“, sagt Fondsmanager Lawrence Haverty.

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