Neuer EDF-Chef
Henri Proglio: Ein Mann für verrückte Coups

"Zurückhaltend, fleißig, treu", so beschreiben Kenner Henri Proglio. Der Chef des Wasser- und Umweltdienstleisters Veolia, ein enger Vertrauter von Sarkozy-Vorgänger Jacques Chirac, wechselt an die Spitze des Stromriesen EDF. Den Job bei EDF hat der diskrete Netzwerker auf dem Silbertablett serviert bekommen - nun hat er Großes vor.

PARIS. Sie haben viel gemeinsam: Beide sind Kinder von Einwanderern. Der eine hat einen ungarischen Vater, beim andern kamen die Großeltern aus Italien. Beide stammen aus kleinen Verhältnissen und haben sich nach oben gearbeitet. Der eine heißt Nicolas Sarkozy und ist heute Frankreichs Staatspräsident. Der andere heißt Henri Proglio und wird jetzt EDF-Chef - dank des Plazets von Sarkozy, der das letzte Wort hat bei der Entscheidung, wer den Staatskonzern leitet.

Am Sonntag tagte der Verwaltungsrat des staatlichen Strom-Riesen, um Proglio offiziell zu küren. Bei Redaktionsschluss war die Sitzung noch nicht beendet.

Seit Wochen schon gilt der Chef des Wasser- und Umweltdienstleisters Veolia Environnement als Favorit für die Nachfolge von Pierre Gadonneix. "Zurückhaltend, fleißig, treu", so beschreiben Kenner Henri Proglio. Auf ihn wird sich Sarkozy verlassen können, der nur zu solchen Konzernchefs wirklich vertrauen hat, die er selbst bestimmt hat.

Der 60-jährige Proglio ist schon lange ein enger Freund von Sarkozy-Vorgänger Jacques Chirac. Zu den engeren Kontakten Sarkozys in die Wirtschaftswelt gehört Proglio erst seit kurzem.

Es gibt mehrere Faktoren, die seine Wahl für den Topjob bei EDF erklären - allen voran: Proglio kennt das Unternehmen sehr gut. Seit Jahren sitzt er dort im Verwaltungsrat und leitet den Strategie-Ausschuss. Bei den Gewerkschaften, die bei EDF viel zu sagen haben, ist er gut gelitten, denn bei Veolia hat Proglio nie Massenentlassungen veranlasst. "Wir wollen jemanden, der ein industrielles Projekt verfolgt", sagte jüngst ein Gewerkschaftsvertreter von EDF.

Das erklärt wohl, warum Proglio gleich zweimal den Job an der EDF-Spitze auf einem Silbertablett serviert bekam: Bereits im Jahr 2004 hatte der damalige Staatschef Chirac ihm den Chefposten bei Frankreichs Stromgiganten angeboten. Doch Proglio lehnte ab. "Ich bin per Zufall zu Veolia gekommen und bin aus Überzeugung geblieben", sagte er später.

Auch dieses Mal wäre seine Ernennung fast noch geplatzt, denn Proglio kann partout nicht von Veolia lassen - dem Unternehmen, in dem er 1973 als Praktikant angefangen hat. Er wolle den EDF-Chefposten nur übernehmen, wenn er gleichzeitig den Posten als Verwaltungsrat-Präsident bei Veolia behalten dürfe, sagte er. Der Élysee-Palast hält dies für keine gute Idee. Aber darüber ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen.

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