Neuer Freenet-Chef
Wer kennt Christoph Vilanek?

Der Telekomdienstleister Freenet beruft mit Christoph Vilanek einen in der Branche nahezu völlig Unbekannten zum neuen Vorstandschef. Während sich Analysten über die Berufung des unerfahrenen Managers wundern, kommt von Seiten der Anteilseigner nur Lob für diese Personalentscheidung.

DÜSSELDORF. Die Überraschung war gelungen: Als der Telekomdienstleister Freenet am Dienstag verkündete, er habe einen neuen Vorstandschef gefunden, begann das große Rätselraten. „Wir haben der Berufung intern den Titel gegeben ,Who the heck is Vilanek’?“ erzählt ein Analyst. Der 41-Jährige ist in der Branche nahezu unbekannt.

Der Grund: Christoph Vilanek hat bislang nur in der zweiten Reihe gearbeitet und noch nie eine Einheit oder gar ein Unternehmen geleitet. „Er ist trotzdem die am besten geeignete Besetzung – sowohl unter den internen als auch unter den externen Kandidaten“, sagte Freenet-Aufsichtsratschef Helmut Thoma dem Handelsblatt. „Wir haben rund 20 Personen angesprochen – da waren bis auf René Obermann so ziemlich alle Namen der Branche dabei.“ Vilanek biete den Vorteil, dass er schon im Mai beginnen könne, das Unternehmen kenne und sich gut mit dem Interimschef Joachim Preisig verstehe.

Vilanek war bis Ende März dieses Jahres für den Vertrieb des Mobilfunkdienstleisters Debitel tätig, den Freenet im vergangenen Frühjahr gekauft hat. Was Thoma besonders freut: Er hat Vilanek gerade noch von einem anderen Posten weglotsen können. Anfang April hatte der schon seinen Job als Manager bei dem Call-Center-Betreiber D+S Europe angefangen, dort aber wieder das Handtuch geworfen, als ihn der Ruf von Freenet erreichte. Das Hin und Her deutet allerdings darauf hin, dass Vilanek zumindest nicht von Anfang an die erste Wahl war.

Analysten wundern sich über die Berufung eines so unerfahrenen Managers an die Spitze des nach Kunden drittgrößten deutschen Mobilfunkanbieters. Einer vermutete, Thoma habe niemand anderen gefunden, weil auch die Besetzung des Aufsichtsrats selbst unsicher sei. Ein neues Kontrollgremium berge die Gefahr, eine neue Unternehmensstrategie zu verlangen, so dass ein CEO heute noch nicht wissen könne, was ihn bei Freenet erwarte.

Vor Weihnachten hatte es noch gewaltig gebrodelt bei den Großaktionären Permira, United Internet und Drillisch. Der Unmut gegen Thoma war groß, weil der den damaligen Vorstandschef Eckhard Spoerr deckte. Der wiederum hatte die Wünsche seiner Großaktionäre missachtet und es etwa monatelang nicht geschafft, das defizitäre DSL-Geschäft von Freenet zu verkaufen. In der Branche heißt es, Spoerr habe die Zahl der DSL-Kunden künstlich in die Höhe getrieben und dann einen Preis für sie verlangt, den niemand zahlen mochte. Tatsächlich musste sein Interimsnachfolger Joachim Preisig bei der Vorlage der Jahreszahlen vor einigen Tagen verkünden, dass die Kundenbasis erheblich bereinigt werden musste. Spoerr hatte kurz vor Weihnachten dann doch aufgegeben. Der umstrittene Manager war zudem Anfang dieses Jahres wegen Insiderhandels zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Seit seinem Abgang ist es ruhiger geworden in der Skandalbude Freenet.

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