Neuer Kapitalmarktvorstand
Gesunde Distanz zum Handelsraum

Nicht jedem Investmenttrend hinterherlaufen: Heute startet Horst Küpker als neuer Kapitalmarktvorstand der Postbank. Dabei ist es ihm wichtiger, den Überblick zu behalten, als an allem nah dran zu sein. Selbst eine Postbank-Übernahme lässt ihn gelassen bleiben.

BONN. Eigentlich ist die Welt des Horst Küpker schnell und hektisch. Seine Händler verfolgen hochkonzentriert auf gleich mehreren Monitoren die Kurse der Kapitalmärkte und bewegen dabei Milliarden. Auch auf dem Bonner Schreibtisch Küpkers, der den Händlern der Postbank als neuer Kapitalmarktvorstand ab heute sagen wird, welche Papiere sie für das Institut kaufen und verkaufen sollen, stehen zwei hellgraue Bildschirme. Über Bloomberg und Reuters hält er sich auf dem Laufenden. Doch die Kurse kämen erst mit 15 Minuten Verzögerung, sagt er mit Genugtuung.

„Lieber den Überblick als zu dicht dran und sich dann verzetteln“, sagt der 46-Jährige mit der markanten eckigen Hornbrille. Abstand ist eines der Schlüsselworte in Küpkers Arbeit. So hält er eine „gesunde Distanz“ zum Handelsraum für wichtig, glaubt nicht, dass er jedes neue Produkt der Investmentbanken mitmachen muss und findet es gut, dass ihn die meisten Investmentbanker als potenziellen Kunden auf der Straße nicht erkennen. „Ich halte mich lieber im Hintergrund“, sagt er und lehnt sich in seinem Stuhl zurück.

Als Kapitalmarktvorstand ist es Küpkers Aufgabe, die Einlagen und Kredite der Bank über den Kapitalmarkt auszubalancieren. Für die Postbank ein über lange Jahre enorm wichtiges Geschäft, weil sie weit mehr Spareinlagen verwaltete, als sie Kredite ausgegeben hatte. Die überschüssige Liquidität musste am Kapitalmarkt angelegt werden und dort Rendite bringen.

Lange Jahre hat sich Vorstand Loukas Rizos erfolgreich um dieses Ressort gekümmert, das in Zeiten der Finanzkrise bei jeder Bank im Fokus steht. Rizos Weggang zur BHF Bank erwies sich für Küpker, der unter Kollegen als zuverlässig und strukturiert gilt, als Chance. Als bisher oberster Treasurer kennt er das Anlagegeschäft der Postbank gut und ist parallel als Vorstand der Bausparkasse BHW in anderen Teilen des Konzerns aktiv. Vielleicht half ihm, dass die Postbank derzeit zum Verkauf steht. Angesichts der Unsicherheit dürfte der Ansturm externer Mitbewerber begrenzt gewesen sein.

Sollte die Postbank übernommen werden, könne es natürlich passieren, dass er „zur Seite gestellt“ werde, sagt Küpker trocken. „Dann mache ich vielleicht mal wieder etwas ganz anderes. Ich habe mir nicht angewöhnt, auf großem Fuß zu leben.“ Eine Doppelhaushälfte in Bad Honnef, wo er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt - Jetset klingt in der Tat anders. „Aber solange ich nicht weiß, was von außen kommt, kann ich nur so gut es geht innen wirken.“ Zunächst will er einen eigenen Bereich für Liquiditätssteuerung aufbauen.

Hobbysegler Küpker – das Modell eines America’s-Cup-Schiffes ragt oben auf seinem Büroschrank – scheut keine Hindernisse. Als der Bund den gebürtigen Niedersachsen nach Banklehre und Wirtschaftsabitur überraschend doch nicht einzog, war das Fachhochschulstudium eine schnelle Notlösung. Als der Aktiencrash dem Absolventen die Stellensuche erschwerte, nutzte er den kleinen Hamburger Broker Hutzler als Lehrstube für Futures und Optionen. Den nächsten Schritt bereitete der damals 28-Jährige, der auch privat gerne an der Börse anlegte, mit 200 Bewerbungen gründlich vor. Bei der nächsten Station, der mehrheitlich zur Dresdner Bank gehörenden kleinen Hypothekenbank Nordhypo, riet ihm sein Chef dann, sich statt der Beratung von Großkunden lieber auf die Steuerung der Aktiva und Passiva der Bank selbst zu konzentrieren. Küpker war auf seinem Spezialfeld der Finanzbranche angekommen, das ihn über Stationen wie Stadtsparkasse Dresden und Dexia Hypothekenbank nun in den Vorstand des Dax-30-Konzerns Postbank führt.

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