Neuer Mann passt nicht ins Schema
Kulturrevolution bei Capitalia

Matteo Arpe wird neuer CEO der Bankengruppe – der Aufstieg eines Wunderkinds.

MAILAND. Heute wird der erst 38-jährige Matteo Arpe zum neuen Vorstandschef der römischen Bankengruppe Capitalia berufen. Der bisherige Generaldirektor und Chef der konzerneigenen Investmentbank Mediocredito Centrale (MCC) ersetzt Giorgio Brambilla, der vor rund einem Monat verstorben ist.

Für Italiens viertgrößtes Institut gleicht die Benennung Arpes einer Kulturrevolution: Bislang handelte das früher als Banca di Roma firmierende Haus eher nach politischen Interessen als rationalen Prinzipien. Folge ist, dass Capitalia, an der unter anderem die ABN Amro aus den Niederlanden beteiligt ist, unprofitabel ist. Sie trägt überdurchschnittlich schlechte Kreditrisiken.

Doch in das bisherige Schema der Bank lässt sich der gebürtige Mailänder Arpe nicht pressen. Der in der Branche seit Jahren als Wunderkind gefeierte Manager gilt zwar als machtbewusst, ist aber marktrational und dank seiner Erfahrung im Exekutivkomitee der Wall-Street- Bank Lehman Brothers angelsächsisch geprägt. In seinen ersten Monaten bei Capitalia hat er sich durch eine massive Reduzierung riskanter Kredite und einen harten Sparkurs inklusive des notwendigen Personalabbaus ausgezeichnet. Auch die Investmentsparte MCC ist unter seiner Führung neu aufgestellt worden: Dank einer Öffnung des Aktionärskreises ist nun eine Reihe führender italienischer Konzerne wie Telecom Italia oder Fininvest beteiligt. Beobachter vergleichen den MCC nun mit einer kleinen Mediobanca, der führenden Mailänder Investmentbank, in der sich Arpe seine ersten beruflichen Sporen verdient hat.

Arpe, Absolvent der bekanntesten Business School Italiens (der Bocconi), stand auch Pate bei der Formulierung des neuen Strategieplans, der auf eine Steigerung der Eigenkapitalrendite von 1,3 auf 9,3 Prozent für das Jahr 2005 setzt. „Endlich wird bei Capitalia über das Thema Wirtschaftlichkeit gesprochen“, sagt ein Bankier in Mailand.

Ob Arpe die Revolution gelingt, ist dennoch alles andere als sicher. Als CEO wird er zwar mit einer großen Machtfülle ausgestattet, als Präsident des Instituts bleibt ihm aber mit Cesare Geronzi der Architekt der bisherigen Ausrichtung erhalten. Wird sich Arpes Marktorientierung gegen Geronzis Politisierung durchsetzen? Davon wird der künftige Erfolg von Capitalia abhängen.

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