Neuer MSN-Chef
Ballmers Suchhund

Keine Frage, der Konzern kann einen risikobereiten und unkonventionellen Denker wie Berkowitz gebrauchen. Steve Berkowitz ist Microsofts große Hoffnung: Der ehemalige Ask.com-Chef soll endlich für Erfolg im Internetgeschäft sorgen.

SAN FRANCISCO. Es gab nicht wenige, die Steven Berkowitz für ziemlich verrückt hielten. Oder für verzweifelt, vielleicht auch für beides. Vermutlich hielten sogar die meisten Kenner der Internetwirtschaft ihn für verrückt und verzweifelt, damals im Mai 2001.

Zu der Zeit, da die Dotcom-Blase platzte und New-Economy-Helden entweder von der Bildfläche verschwanden oder in Scharen Unterschlupf in traditionellen Unternehmen suchten – da ging Berkowitz zu einem Unternehmen, dessen Maskottchen, der vornehme Butler Jeeves, zu einem der Denkmäler der Verschwendung geworden war: zur Suchmaschine Ask Jeeves.

Gerade einmal 30 Millionen Dollar war das Unternehmen damals an der Börse noch wert, das rasante Wachstum von Google schien sein Geschäftsmodell überflüssig zu machen. Vier Jahre später, im März 2005, hielt niemand mehr Berkowitz für verrückt: Die Internetholding Interactive Corp. kaufte Ask Jeeves, oder kurz Ask, für zwei Milliarden Dollar.

Die Wende eines scheinbar völlig festgefahrenen und ausweglos zurückgefallenen Geschäftsbereichs – das ist es auch, was Microsoft seit dieser Woche von Berkowitz erwartet. Am Montag trat er seine neue Position an als Senior Vice President für die Geschäftsentwicklung und das Marketing bei Microsofts Internettochter MSN und den neuen Internetinitiativen Windows Live und Office Live. Er ersetzt damit David Cole, der im Mai eine einjährige Auszeit beginnt. Mit einem Schlag ist Berkowitz für Microsoft eine der wichtigsten Figuren für die Zukunft geworden.

Keine Frage, der Konzern kann einen risikobereiten und unkonventionellen Denker wie Berkowitz gebrauchen. Schließlich geht es mit Microsofts Online-Aktivitäten nur stockend voran. Immer wieder gab es vollmundige Ankündigungen, immer wieder honorierten dies weder Nutzer noch Online-Anzeigenkunden. Nach Zahlen der Marktforscher Nielsen Netratings hatte MSN im März 2006 in den USA nur einen Marktanteil von 11 Prozent; Rivale Google brachte es auf 49 Prozent und Yahoo auf 22 Prozent. Während Google und Yahoo kräftig wachsen, ging bei MSN der Marktanteil im Vergleich zum Vormonat sogar leicht zurück.

Seite 1:

Ballmers Suchhund

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%