Neuer Siemens-Chef Löscher
Weltbürger aus Villach

Peter Löscher hat sich in der Pharmabranche als Stratege und Organisator bewährt. Rund um den Globus war er für Weltkonzerne unterwegs, auch für einen deutschen. Jetzt soll der Österreicher den Siemens-Konzern auf Vordermann bringen. Ein Porträt des neuen Vorstandschefs.

FRANKFURT. Ein Faible für Veränderungen hatte Peter Löscher wohl schon immer. Sonst wäre er kaum so weit herumgekommen in der Welt. Und fast immer ging es in seinen Jobs darum, neue Strategien zu entwerfen, Geschäfte umzubauen, zu integrieren oder neu auszurichten. Japan, Großbritannien und New York waren die letzten Stationen.

Seine größte Herausforderung wartet auf den gebürtigen Österreicher nun aber in München, wo er den Siemens-Konzern aus dem Morast von Führungskrise und Korruptions-Affären herausführen soll.

Löscher ist auf den ersten Blick eine überraschende Wahl für den Chefposten in München. Fast seine gesamte Karriere machte er in der Pharmaindustrie, einen Großteil davon bei Hoechst und der Nachfolgefirma Aventis. Und seinem aktuellen Job als zweiter Mann beim amerikanischen Pharmariesen Merck & Co mangelt es weder an Prestige noch an Perspektive. Erst vor gut einem Jahr holte ihn Merck-Chef Richard Clark als einen Außenseiter in den einst führenden Arzneimittelhersteller, den diverse Flops in der Forschung und die Krise um das Schmerzmittel Vioxx ins Straucheln gebracht hatten. Löscher sollte die verkrusteten Strukturen bei Merck aufbrechen und neue strategische Impulse geben. Branchenkenner handelten ihn bereits als Kandidaten für den Chefposten. Und das bei einem Konzern, der an der Börse trotz mancher Probleme noch immer einen Tick höher bewertet wird als Siemens.

Wenn er nun dennoch nun nach München wechselt, mag dabei auch ein wenig Lokalpatriotismus im Spiel sein. Vor ein paar Jahren beschrieb er sich einmal als Weltbürger, der sich wieder zum Heimat verbundenen Europäer gewandelt habe. Es mag aber auch eine Rolle gespielt haben, dass Löscher nie der typische, detailversessene Pharmamanager war, der sich in Forschungsfragen oder Verschreibungsdaten versenkt und darüber den Blick verlor, was darum herum passierte.

Schon als Student seien Fernweh und Interesse für andere Länder stetig gewachsen, schreibt Löscher in einem Beitrag für das Wiener Außenministerium, das ihn als einen der „berühmten Auslands-Österreicher“ aufführt. Keine Sekunde habe er deshalb gezögert, als sich die Möglichkeit ergab, über ein Stipendium an einem MBA-Programm der chinesischen Universität Hongkong teilzunehmen.

Zwei Jahre lang arbeitete er später bei der Unternehmensberatung Kienbaum, bevor er 1988 seine Industrie-Karriere beim damals noch stolzen Chemie- und Pharmakonglomerat Hoechst startete.

Schon sein erster Job in der Pharmabranche führte ihn in die strategische Planung. Wenig später war er damit befasst die Veterinärsparten von Hoechst und Roussel in Spanien und Portugal zusammenzuführen.

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