Neuer UBS-Chef
Oswald Grübel: Die Rückkehr des Retters

Eigentlich war Oswald Grübel seit 2007 im Ruhestand. Doch in Zeiten der Krise beruft die UBS den Banker der alten Garde an die Spitze des Konzerns. Auf den neuen Vorstandsvorsitzenden wartet nun eine Herkulesaufgabe: Der 66-Jährige soll das eidgenössische Finanzinstitut aus der Krise führen und nebenbei den gesamten Finanzplatz Schweiz reformieren.

ZÜRICH. Das also ist das neue Gesicht der UBS. Die Augen sind zu kleinen Schlitzen zusammengekniffen. Die Mundwinkel hängen meist etwas muffelig nach unten. Bei Mimik und Gestik hält sich Oswald Grübel zurück. Sein Auftreten entspricht so ziemlich allen Klischees, die es über Schweizer Banker gibt. Der 65-Jährige ist ernst und seriös. Die rahmenlose Brille verstärkt die Strenge in seinem Gesicht. Keiner, mit dem man ein Bier trinken möchte. Aber einer, dem man sein Geld anvertrauen würde.

Mit der Berufung von Grübel zum neuen Vorstandschef setzt die krisengeschüttelte UBS bewusst auf einen Banker der alten Garde. Grübel ist mit allen Wassern des modernen Bankgeschäfts gewaschen. Er hat bei der Credit Suisse lange das Private Banking geleitet, kennt aber auch das Investment-Banking in- und auswendig. "Wenn Grübel nach London oder New York reist, lacht keiner über den Banker aus Zürich", sagt eine Kollegin, die lange mit dem Manager zusammengearbeitet hat.

Viel zu lachen dürften die UBS-Mitarbeiter ohnehin nicht haben. Grübel hat bereits harte Kostenschnitte angekündigt. Bei der Credit Suisse hat er einmal die Ausgaben für das Weihnachtsessen auf 100 Franken pro Person begrenzt. Damit lässt sich in Zürich kaum ein üppiges Mahl bezahlen. Sein Jahresgehalt bei der UBS von drei Mio. Franken ist gemessen an internationalen Maßstäben moderat.

Dass Grübel den Großteil seiner Karriere beim Lokalrivalen Credit Suisse verbracht hat, zeigt nicht nur, wie groß die Personalnot bei der UBS ist. Seine Berufung untermauert auch seinen Ruf als einer der wenigen Banker, denen man überhaupt noch eine Rettung der taumelnden Bank zutraut. Verwaltungsratspräsident Peter Kurer erwartet, dass jetzt ein Ruck durch die Bank geht. Der Ruck könnte allerdings auch Kurer aus dem Amt kippen.

Grübel gilt als ausgesprochen führungsstark. "Der weiß, was er will und nimmt kein Blatt vor den Mund", sagt ein Banker in Zürich, der ihn lange kennt. "Er hat die Charakterstärke und das Wissen, um die Führung zu übernehmen", bescheinigt ihm Peter Thorne, Analyst beim Brokerhaus Helvea in London. Wenn es nach den Wünschen der Privatbank Vontobel geht, soll Grübel nicht nur die UBS, sondern gleich den ganzen Finanzplatz Schweiz retten. Hat sich der Banker in der Vergangenheit doch immer wieder für das umstrittene Bankgeheimnis stark gemacht.

Grübel verbrachte seine Kindheit in Ostdeutschland als Waisenkind bei seiner Großmutter. 1954 flüchtete er dann zu Verwandten in den Westen und suchte berufliche Sicherheit in einer Banklehre bei der Deutschen Bank. Erst bei der Credit Suisse (CS) gelang Grübel der Sprung nach ganz oben. Als Händler arbeitete er sich die Karriereleiter hinauf. Seine Leidenschaft für das Auf und Ab auf den Finanzmärkten hat sich der Porschefahrer bis heute bewahrt.

Nach einer Umstrukturierung wurde Grübel 2001 von dem damaligen CS-Chef Lukas Mühlemann in den vorzeitigen Ruhestand gedrängt. Nur sechs Monate später ereilte ihn der Rückruf: Mühlemann war mit seinem Plan gescheitert, einen Allfinanzkonzern aufzubauen. Credit Suisse rutschte tief in die Verlustzone. Grübel sollte den Karren aus dem Dreck ziehen. Gemeinsam mit dem Amerikaner John Mack (Spitzname: das Messer) steuerte der Deutsche die Schweizer Großbank in den folgenden Jahren auf einen Sparkurs. Die Versicherungssparte Winterthur wurde aufgepäppelt und später für viel Geld verkauft. Das Risikomanagement wurde drastisch verschärft. Eine Maßnahme, die die Bank wenige Jahre später vor einem allzu großen Engagement auf dem Subprime-Markt bewahren sollte.

Credit Suisse konzentrierte sich fortan auf ihre beiden Kerngeschäfte Vermögensverwaltung und Investment-Banking. Eine Struktur, die sich Grübel bei der UBS abgeschaut hatte und von der er bis heute überzeugt ist. Dass die UBS sich unter seiner Führung aus dem Investment-Banking komplett zurückzieht, ist deshalb kaum zu erwarten. Als die Arbeit erledigt war, verabschiedete sich Grübel 2007 zum zweiten Mal in den Ruhestand. Gerade rechtzeitig vor Ausbruch der Finanzkrise. Das perfekte Timing gehört ebenfalls zu den Merkmalen des Bankers. Möglicherweise ein gutes Omen für seine neue Aufgabe und ein baldiges Ende der Krise. Im laufenden Jahr will er in allen Sparten wieder schwarze Zahlen schreiben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%