Neuer vdp-Chef
Jens Tolckmitt: Der gelassene Lobbyist

Zu Schulzeiten am evangelischen Heidehofgymnasium in Stuttgart wollte er Diplomat werden. In gewisser Weise hat Jens Tolckmitt sich diesen Wunsch auch erfüllt, wenn auch nicht in staatlichen Diensten, sondern als Lobbyist für Banken: Seit Juni ist der 38-Jährige Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken. In der Krise ist besonders sein diplomatisches Geschick gefragt.

FRANKFURT. Diplomatisches Geschick braucht Tolckmitt gerade jetzt, denn in der Finanzkrise hat auch das Image des Pfandbriefs Kratzer abbekommen. In der Politik und bei internationalen Investoren wurden gerade nach der Pleite des großen Pfandbrief-Emittenten Hypo Real Estate Fragen nach der Sicherheit der mit Hypotheken und Staatskrediten gedeckten Pfandbriefe laut. Daraufhin betonte die Bundesregierung mehrfach, dass Pfandbriefe absolut sicher seien.

Dennoch stellt die Ratingagentur Standard & Poor’s derzeit die Bonitätsnoten für die Pfandbriefe auf den Prüfstand. Dabei geht es immerhin um einen Markt im Wert von insgesamt rund 800 Mrd. Euro, der für die 35 Mitgliedsbanken des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) als günstiges Refinanzierungsinstrument sehr wichtig ist.

Bei den oft hitzigen Diskussionen hilft es Tolckmitt, dass er stets diplomatisch sachlich bleibt. Das bescheinigen ihm jene, die ihn gut kennen. Er lasse sich nicht aus der Fassung bringen und sei von seiner Sache – sprich der Qualität und Sicherheit des Pfandbriefs – überzeugt. Und der Pfandbrief liegt ihm schon lange am Herzen. Von 1998 bis 2002 arbeitete der Volkswirt bereits beim vdp-Vorgängerverband, bevor er im Alter von nur 31 Jahren Alleingeschäftsführer beim Verband der Auslandsbanken in Deutschland wurde.

Wichtig ist dem Vater zweier kleiner Söhne die Überzeugungsarbeit im Vorfeld einer politischen Entscheidung. Dabei komme es darauf an, Politikern als Berater zur Seite zu stehen. Zudem sei es zentral, die Sache in den Vordergrund zu stellen, nicht die eigene Person, sagt Lobbyist Tolckmitt. Auch privat mag er keinen Rummel, sondern die „karge Mittelgebirgslandschaft des Hunsrücks“, wo er gerne seine Wochenenden verbringt.

Wenn er vor Entscheidungen mit Politikern gesprochen hat, ist es Tolckmitt nach eigenem Bekunden nicht so wichtig, später selbst zu den Anhörungen im Bundestag als Redner eingeladen zu werden: „Wenn die Message an den Mann gebracht ist, brauche ich in der öffentlichen Diskussion nicht den großen Auftritt“, sagt Tolckmitt über sich selbst. Seine Weggefährten bestätigen das: „Repräsentieren ist ihm nicht so wichtig, das überlässt er lieber anderen“, sagt zum Beispiel Achim Klüber von der Royal Bank of Scotland. Er muss es wissen, denn als ehemaliger Vorstandschef im Verband der Auslandsbanken arbeitete Klüber eng mit Tolckmitt zusammen.

Dass er den öffentlichen Auftritt nicht sucht, kommt ihm auch in seinem neuen Job als vdp-Hautpgeschäftsführer zugute. Der Pfandbriefverband hat nämlich mit Henning Rasche einen Präsidenten, der seit mehr 15 Jahren einer der bekanntesten Köpfe in der Pfandbrief-Szene ist und dem der Außenauftritt durchaus liegt. Seit Rasche als Vorstand bei Deutschlands größtem Pfandbriefemittenten Eurohypo ausgeschieden ist, widmet er sich zudem verstärkt der Verbandsarbeit. Zu Reibungen führt das aber offensichtlich nicht. Rasche und Tolckmitt sehen sich explizit als Team, in dem Rasche als Repräsentant und Tolckmitt als Koordinator und Chef-Lobbyist fungiert. Auch Außenstehende, die beide zusammen erleben, meinen, dass sie gut harmonieren.

Dabei hilft sicherlich auch, dass sich beide schon lange kennen. Es war zudem Rasche, der Tolckmitt dem vdp-Vorstand als Nachfolger für Hauptgeschäftsführer Louis Hagen vorschlug, der zur Münchener Hypothekenbank ging. Tolckmitt reizte neben seinen Aufgaben als Hauptgeschäftsführer der Verbandssitz Berlin – seiner Traumstadt, an der er die Vielfalt der Menschen und Kulturen mag. Besonders hingezogen fühlt er sich zur japanischen Kultur. Das mag auch daran liegen, dass die seiner Meinung nach „feine zurückhaltende Art der Japaner“ sein eigenes Naturell widerspiegelt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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