Neuer Versuch
Ex-Chef der Hypo-Alpe wieder angeklagt

Die Justiz in Österreich startet einen neuen Versuch, den früheren Hypo-Alpe-Adria-Chef Wolfgang Kulterer hinter Gitter zu bringen. Gegen ihn und drei weitere Beschuldigte wird Anklage wegen Betrug und Untreue erhoben.
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Wien Der 56-jährige Kulterer stand im Frühsommer wegen ähnlicher Delikte schon einmal vor Gericht, wurde mangels Beweisen jedoch freigesprochen. Der Bankmanager leitete die Skandalbank aus Kärnten bis zum Jahr 2006, also in der Zeit vor dem Einstieg der BayernLB. Die Staatsanwaltschaft in Klagenfurt wirft Kulterer und den anderen Beschuldigten vor, dass sie die Eigenkapitalausstattung der Hypo Alpe Adria über gesetzeswidrige Finanzierungswege heimlich aufgestockt hätten.

Vor sieben Jahren sei auf Anweisung Kulterers Geld der Bank auf Konten von Tochtergesellschaften in Liechtenstein überwiesen worden. Mit diesem Geld seien wiederum Vorzugsaktien der Hypo Alpe gekauft worden. Die Bank hat die Umwegsgeschäfte mit den eigenen Vorzugsaktien dann in der Bilanz als Stärkung der Eigenkapitalbasis verbucht. Außer der Bilanzfälschung hält die Staatsanwaltschaft Kulterer und den anderen Beschuldigen vor, dass die Hypo Alpe Adria durch den Geldtransfer nach Liechtenstein einen Zinsverlust erlitten habe. Den Schaden unmittelbar daraus beziffern die Ankläger auf gut fünf Millionen Euro.

Die windigen Finanzierungen zur Stärkung der schwachen Eigenkapitalbasis macht sich inzwischen auch der frühere Hypo-Alpe-Adria-Eigentümer BayernLB zu Nutze. In dieser Woche hat die Landesbank aus München Schadenersatzklage gegen frühere Anteilseigner der Hypo Alpe erhoben. Die BayernLB sei über die wahre Eigenkapitalausstattung der Bank und die Scheingeschäfte zu deren Aufstockung nicht informiert worden. Die Münchener wollen deshalb den Einstieg bei der Hypo Alpe Adria vor gut vier Jahren gleich komplett rückgängig machen. Die BayernLB hofft, dass sie mit der Klage einen Teil des Milliardenschadens aus dem Kauf der Hypo Alpe Adria begleichen kann.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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