Neuer Vorstandschef Axel Rückert
Debitel tauscht Führungsriege aus

Die Stimmung beim Mobilfunkdienstleister Debitel ist schlecht. Die Mitarbeiter bangen um ihre Jobs, weil ihr neuer Chef den Ruf eines Sanierers besitzt: Axel Rückert hat am Montag das Ruder beim nach eigenen Angaben größten deutschen Service-Provider Debitel übernommen. Debitel hat knapp neun Millionen Kunden und europaweit 2400 Mitarbeiter.

DÜSSELDORF. Der ehemalige McKinsey-Berater Rückert war bislang für die Debitel-Auslandstöchter in Frankreich und den Niederlanden verantwortlich. Zuvor leitete er den IT-Dienstleister Getronics sowie die Handy-Sparte von Philips.

Rückert gilt als Spezialist für Kehrtwenden. Auch bei Debitel stehe jetzt eine neue Phase an, erklärte am Montag Aufsichtsratschef Hellmut Albrecht. „Wir werden innerhalb der kommenden vier Wochen prüfen, wie wir die Prozesse bei Debitel effizienter gestalten können“, sagte Rückert dem Handelsblatt. Das könne etwa über Outsourcing einzelner Bereiche geschehen. Aber auch einen Personalabbau schließt der 59-Jährige nicht aus.

Rückert beerbt Paul Stodden, der das Unternehmen nach nur zwei Jahren verlässt. In der Branche hört man, Stodden musste auf Druck des Debitel-Eigners Permira seinen Hut nehmen. Er habe es nicht geschafft, dem Unternehmen genug Wachstumsphantasie zu verschaffen, heißt es. Ein für dieses Jahr anvisierter Börsengang musste deshalb zunächst wieder auf Eis gelegt werden.

Die Service-Provider leiden unter den gesättigten Mobilfunkmärkten. Sie besitzen kein eigenes Netz und leben von Provisionen, die Netzbetreiber wie Vodafone für Neukunden und vertelefonierte Minuten zahlen. Die Minuten-Provisionen sind abhängig von den Minutenpreisen, die sich in freiem Fall befinden. Debitel versucht deshalb, mit eigenen Angeboten Nutzer anzuziehen. Ende Mai etwa haben die Stuttgarter als erster Anbieter Handy-Fernsehen mit der Funktechnik DMB gestartet.

Rückert ist nicht die einzige Neubesetzung im Debitel-Vorstand. Auch der Ex-Finanzvorstand Hermann Roemer hat vor einigen Wochen sein Amt niedergelegt. Neuer Finanzchef wird spätestens Anfang nächsten Jahres Joachim Preisig, der bisher das Konzerncontrolling der Telekom leitete. Derzeit macht Maarten Henderson, ehemals Finanzchef der niederländischen KPN, diesen Job. Neu geschaffen ist ein Vorstandsposten für Marketing und Vertrieb, den ab August mit Oliver Steil ebenfalls ein Ex-McKinsey-Berater übernimmt. Der einzige Debitel-Vorstand, der sein Amt behalten darf, ist Christian Friege, der sich um Kunden und das laufende Geschäft kümmert.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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