Neuer Vorstandschef
Britische Lloyds-Bank wird bei der Konkurrenz fündig

Während alle anderen Banken emsig mit ihrer eigenen Sanierung beschäftigt waren, schlug der Santander-Chef zu und sicherte sich zwei angeschlagene britische Geldhäuser. Das Talent des Portugiesen fiel auch der Lloyds-Bank auf, die ihn nun zum neuen Vorstandschef auserkor.
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LONDON. Zwischen vielen Formel-1-Souvenirs hängt im Büro von Antonio Horta-Osório auch eine kleine Karikatur. Sie zeigt einen Ritter, der zwei in Not geratenen Burgfräuleins zu Hilfe eilt. Über dem einen prangt der Name Alliance & Leicester, über dem anderen steht Bradford & Bingley. Im Herbst 2008 sicherte sich Horta-Osório zum Schnäppchenpreis den Zuschlag für die beiden schwer angeschlagenen Geldhäuser und baute damit das britische Reich des spanischen Bankriesen Santander weiter aus.

Seit 2006 führt Horta-Osório die Geschäfte der Spanier auf der Insel, und die Karikatur ist ein Symbol dafür, dass der Portugiese es geschafft hat, auch während der Finanzkrise eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Das scheint auch den Aufsehern der viertgrößten britischen Bank Lloyds aufgefallen zu sein, die Horta-Osório jetzt zum Nachfolger des scheidenden Vorstandschefs Eric Daniels erkoren haben. Während Lloyds und die meisten anderen britischen Banken hektisch bemüht waren, ihre Bilanzen zu sanieren, nutzte Horta-Osório die Gunst der Stunde und bot 1,26 Mrd. Pfund für die Hypothekenbank Alliance & Leicester, wenig später übernahm er 197 Filialen und die Spareinlagen von 21 Mrd. Pfund des kurz vor dem Kollaps stehenden Baufinanzierers Bradford & Bingley. Außerdem sicherte sich Santander den Zuschlag für 300 Filialen der verstaatlichten Royal Bank of Scotland.

Horta-Osório gilt seit längerem als eines der größten Talente in der Londoner City. Sein Wechsel zum halbverstaatlichten Konkurrenten Lloyds, der 2008 von der Regierung mit Milliardenhilfen gerettet werden musste, kommt für viele dennoch überraschend, galt der Portugiese doch auch als einer der Favoriten für die Nachfolge von Santander-Präsident Emilio Botin.

Die Lücke, die Horta-Osório bei dem britischen Santander-Ableger Abbey hinterlässt, wird Ana Patricia Botín ausfüllen, die Tochter des Bankchefs. Die 50-Jährige ist eine der einflussreichsten Frauen in der spanischen Finanzwelt. Seit 2002 steht sie an der Spitze der Bank Banesto, einer Tochter der Santander-Gruppe. Trotz der schnellen Nachfolgeregelung befürchten Analysten, dass der Abgang des Abbey-Chefs den geplanten Börsengang der britischen Santander-Tochter verzögern könnte. Die Platzierung von 20 Prozent der Abbey-Anteile soll bis zu vier Mrd. Pfund in die Santander-Kassen spülen.

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