Neuer Vorstandschef Ferraris bleibt Anteilseignern Firmenkonzept schuldig
Jil Sander-Chef empört Aktionäre

Der Mann wirkt wie ein mausgrauer Buchhalter. Ruhig und emotionslos liest der neue Vorstandschef der Jil Sander AG, Gian Giacomo Ferraris, auf Italienisch die kurze vorgefertigte Rede auf der Hauptversammlung des Modeherstellers ab. Dabei fallen dem gebürtigen Italiener nur ein paar dürre Worte ein zur künftigen Strategie von Deutschlands bekanntesten Modekonzern: „Wir wollen weiter investieren, um den Wert der Marke zu steigern, und die Kosten senken.“

HAMBURG. Die Aktionäre sind entrüstet: „Die Darstellung des Vorstandschefs ist Ausdruck der Impulsarmut, den die Marke bereits in den vergangenen Jahren erfahren hat“, klagt ein Anteilseigner. Es sei dürftig, was der Vorstand den Aktionären hier als Konzept verkaufe.

Erstmals hatte sich der studierte Textilmanager nach dem überraschenden Vorstandswechsel gestern der Öffentlichkeit präsentiert. Der bereits bis 1999 bei Jil Sander tätige Manager mit dem lichten Haupthaar war vor zwei Monaten in die zum Mailänder Prada-Konzern gehörende Gesellschaft zurückgekehrt, um Prada-Chef Patrizio Bertelli im Vorstand von Jil Sander abzulösen.

Dabei soll der 47-Jährige neuen Schwung in das Unternehmen bringen. Erfahrung hatte er zuletzt beim Prada-Erzrivalen Gucci gesammelt. Dort war er unter anderem als Direktor weltweit für die Marken Yves Saint Laurant und Alexander McQueen zuständig. Nun soll er dem Hamburger Modeimperium aus den roten Zahlen helfen: Jil Sander hatte 2003 einen Verlust von mehr als 28 Millionen Euro eingefahren.

Ob der zurückhaltend wirkende Manager das Ziel erreicht, scheint fraglich. Den Aktionären versprach er zwar, Umsatz und Ergebnis 2004 zu verbessern. Wie dies erfolgen soll, blieb er ihnen aber schuldig. Offen ließ er dabei auch, ob die Firma weiter am Tropf des Mutterkonzerns hängen bleibt. Prada hatte Jil Sander 2003 durch Darlehensverzichte und Kreditlinien die „Fortführung ihrer Unternehmenstätigkeit“ garantiert, heißt es im jetzt verteilten Geschäftsbericht.

Die Modeschöpferin Jil Sander konnte Ferraris keine Rückendeckung geben. Sie war vor kurzem zwar als Designerin in das von ihr gegründete Unternehmen zurückgekehrt, um den Absatz anzukurbeln. Doch die Modediva hatte gestern keine Zeit. Kurz und knapp nennt Ferraris hierfür den Grund: „Sie arbeitet an ihrer neuen Kollektion.“

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