Neues Gesetz hilft Anlegern
Aktionäre nutzen geschärfte Waffen

Seit einem Monat erst ist das Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts (UMAG) in Kraft - und schon zeigen die schärferen Aktionärsrechte ihre Wirkung.

DÜSSELDORF. Vor allem die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) macht eifrig von der neuen Waffe zur Bündelung der Aktionärsinteressen, dem Aktionärsforum, Gebrauch. Getreu dem Motto "Gemeinsam stark" können Aktionäre und Aktionärsvereinigungen hier andere Anleger auffordern, ihre Minderheitenrechte gemeinsam wahrzunehmen oder etwa die DWS damit zu beauftragen, ihre Stimmrechte auf der Hauptversammlung eines Unternehmens zu vertreten.

Bisher war solches Stimmencatching per Fax und E-Mail recht mühselig. Nun hilft gemäß Paragraf 127a Aktiengesetz (AktG) das Aktionärsforum des elektronischen Bundesanzeigers. Unter " www.ebundesanzeiger.de" können Streubesitzer von Aktien, die oft über viele Länder verteilt sitzen, ihre Stimmen mühelos bündeln. Das ist wichtig, wenn ein bestimmtes Quorum oder ein Schwellenwert erreicht sein muss.

Unternehmen sollten das Geschehen im Forum deshalb aufmerksam verfolgen, rät Karsten Heider, Anwalt der Kanzlei CMS Hasche Sigle in Stuttgart. Zumal dort auch eine neuerdings ebenfalls mögliche direkte Haftungsklage gegen Vorstand und Aufsichtsrat oder ein Antrag auf eine Sonderprüfung der Firma angekündigt werden könne. Selbst wenn die Klage nachher erfolglos bleibe, so Heider, rufe schon ihre Ankündigung im Aktionärsforum bei Analysten und der Öffentlichkeit einen schlechten Eindruck hervor.

Solche direkten Haftungsklagen gegen Vorstand und Aufsichtsrat können seit Inkrafttreten des UMAG Einzelaktionäre oder Gruppen ab einem Anteil von einem Prozent des Grundkapitals oder einem anteiligen Betrag von 100 000 Euro am Grundkapital erheben. Früher musste der Aufsichtsrat eine Klage einleiten, was in der Praxis so gut wie nie vorkam. Das gleiche Quorum gilt, wenn Aktionäre eine Sonderprüfung erzwingen wollen, wofür vorher ein Anteil von zehn Prozent des Grundkapitals nötig war.

Die Sorge der Gesellschafter ist groß, dass vor allem die gefürchteten "oppositionellen" Aktionäre oder Querulanten von den Erleichterungen profitieren. Zwar sieht das Gesetz vor, dass Antragsteller nachweisen müssen, mindestens seit drei Monaten vor dem Tag der Hauptversammlung Inhaber der Aktien zu sein, sprich: dass sie die Aktien nicht nur gekauft haben, um auf der Hauptversammlung aufzutrumpfen. Doch Experten zweifeln an der Wirksamkeit dieser Einschränkung. "Ob diese Erfordernisse geeignet sind, Missbräuchen vorzubeugen, ist zweifelhaft, weil professionelle Kläger schon frühzeitig ihren Aktienbesitz gestreut haben", sagt Rechtsanwältin Kerstin Schnabel aus dem Düsseldorfer Büro der Sozietät White & Case.

Seite 1:

Aktionäre nutzen geschärfte Waffen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%