Neues Vergütungsmodell
Siemens macht seine Aufsichtsräte unabhängiger

Siemens stellt die Vergütung seiner 20 Aufsichtsräte um. Künftig sollen die Kontrolleure unter Führung von Gerhard Cromme nur noch feste Bezüge für ihre Tätigkeiten erhalten, wodurch die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats gestärkt werden soll. Für die Räte bedeutet das allerdings nicht, dass sie auf Einnahmen verzichten müssen - ganz im Gegenteil.
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DÜSSELDORF. Nach dem neuen Vergütungsmodell, dass die Siemens-Hauptversammlung Ende Januar verabschieden will, bekommt Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in Zukunft jährlich 560 000 Euro zuzüglich Sitzungsgeld pro Termin in Höhe von 1 500 Euro. Die Grundvergütung Crommes soll bei 280 000 Euro liegen, einfache Ratsmitglieder erhalten die Hälfte. Hinzu kommt die Tätigkeit in Ausschüssen. Fürs Präsidium kassiert Cromme weitere 120 000 Euro, für Prüfungs-, Finanz- und Complianceausschuss jeweils 80 000 Euro.

Mit dem Siemens-Salär für das Geschäftsjahr 2010/11 setzt sich Cromme an die Spitze deutscher Aufsichtsräte. Im Boomjahr 2007 erreichten die bestbezahlten Aufseher rund eine halbe Million Euro. Clemens Börsig (Deutsche Bank) belegte damals im Dax mit etwa 560 000 Euro den ersten Platz.

Crommes Vergütungen bei Siemens beliefen sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/2010 auf 487 000 Euro. Er ist auch Aufsichtsratschef beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp, wo er zuletzt eine Vergütung von 264 000 Euro erhielt.

Eine "eingebaute Verführung"

Siemens wäre neben Adidas, Daimler und FMC der vierte Dax-Konzern, der seinen Aufsehern keine erfolgsabhängigen Vergütungen zahlt und damit Forderungen des Gewerkschafters Dietmar Hexel nachkommt. Hexel ist Mitglied in der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Er verlangt ausschließlich feste Vergütungen für Unternehmenskontrolleure. "Alles außer einer festen Vergütung ist von Übel", sagt er.

Unabhängige Urteilsfähigkeit und Entscheidung seien mit Boni-Systemen nicht vereinbar. Hexel spricht von einer "eingebauten Verführung": Kontrolleure würden bei der strategischen Zieldiskussion oder der Festlegung von Dividenden auch an sich denken.

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