Neues Wertpapierprospektgesetz sorgt in deutschen US-Tochterunternehmen für Aufruhr
Beteiligung per Aktienoptionen droht das Aus

Deutsche Tochterunternehmen von börsennotierten US-Gesellschaften müssen eine Hiobsbotschaft verkraften. Das zum 1. Juli 2005 in Kraft getretene neue Wertpapierprospektgesetz (WpPG) verpflichtet die Unternehmen nach Einschätzung von Rechtsexperten dazu, ihre aktienbasierten Mitarbeiterbeteiligungen entgegen bisheriger Rechtslage in einem kostspieligen Wertpapierprospekt zu veröffentlichen. Ansonsten drohen ihnen Bußgelder bis zu 500 000 Euro und reichlich negative Publicity infolge staatsanwaltlicher Ermittlungsverfahren.

GARMISCH. Entsprechend groß ist denn auch die Verunsicherung bei den mehr als 2 000 amerikanischen Unternehmen, die hier zu Lande 800 000 direkte Arbeitsplätze geschaffen haben. "Mir ist ein großes amerikanisches Unternehmen bekannt, das seine Stock-Option-Programme aus Angst vor einer möglichen Haftung erst einmal auf Eis gelegt hat", berichtet Ingrid Ohmann, Partnerin aus dem Münchener Büro der Kanzlei Lovells. Kein Wunder: Gerade US-amerikanische Unternehmen haben vor dem Hintergrund der in den USA geltenden Anlegerschutzvorschriften rund um den so genannten Sarbanes Oxley Act gehörigen Respekt vor möglichen Haftungsfallen. Der Sarbanes Oxley Act enthält vor allem Regeln zur Unternehmensführung und-berichterstattung und war als Reaktion auf die großen US-Bilanzskandale entstanden.

Auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist man mittlerweile auf das Problem aufmerksam geworden. "Wir wollen natürlich nicht, dass deutsche Arbeitnehmer, die bei Nicht-EU-Arbeitgebern beschäftigt sind, im Rahmen der Mitarbeiterbeteiligung benachteiligt werden. Deshalb werden wir innerhalb der nächsten Wochen eine Lösung ausarbeiten", sagte Sprecherin Anja Neukötter dem Handelsblatt.

Hintergrund der Gesetzesverschärfung ist die europäische Prospektrichtlinie, mit welcher der Anlegerschutz in Europa gestärkt werden soll. Dazu soll künftig gewährleistet werden, dass sämtliche Prospekte - unabhängig davon, wo sie in der Europäischen Union abgefasst wurden - den Anlegern klare und vollständige Informationen liefern, die diese für eine fundierte Anlageentscheidung benötigen. Außerdem erlischt durch das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung auch die Pflicht der Unternehmen, ihren an die Anleger ausgegeben Informationsprospekt in jedem Mitgliedstaat gesondert genehmigen zu lassen.

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