Neuhaus-Chef Jos Linkens
Wie bei Chanel

Jos Linkens ist der Schokoladenkönig von Belgien. Erfolgreich hat der 55-Jährige Europas größten Hersteller von Edelpralinen saniert. Damit das Unternehmen auf dem Erfolgsweg bleibt, nimmt er nun Neuhaus von der Börse und investiert in neue Läden.

BRÜSSEL. Er kann es einfach nicht lassen. Auch nach drei Jahren an der Spitze des belgischen Pralinenherstellers Neuhaus stibitzt sich Jos Linkens gerne noch unfertige Pralinen von den Miniatur-Fließbändern im Brüsseler Vorort Vlezenbeek. „Die müssen Sie probieren – die schmeckt auch ohne den finalen Schokoladenguss einfach himmlisch“, meint der weißhaarige, groß gewachsene Flame und steckt sich eine dreieckige Knusperpraline mit Vanille-Creme-Füllung in den Mund. Später wird daraus „Caprice“, eine der erfolgreichsten Kreationen von Neuhaus.

Jos Linkens ist der Schokoladenkönig von Belgien. In den Händen des 55-Jährigen liegt das Schicksal von Neuhaus, dem größten Pralinenhersteller Europas im Luxussegment, der nur in den USA hinter dem Konkurrenten Godiva liegt.

Der Firmengründer, der Schweizer Jean Neuhaus, zog 1857 von Neuchâtel nach Brüssel und erfand dort erst die Praline, dann auch die dazugehörige Verpackung, den „Ballotin“. In Brüssel ist von Neuhaus knapp 150 Jahre nach der bahnbrechenden Erfindung nur noch der Name geblieben. Das einstige Familienunternehmen wechselte mehrfach den Besitzer und gehört inzwischen seinen Aktionären, zu über 95 Prozent dem belgischen Finanzinvestor Bois Sauvage, der auch in Immobilien und andere Sektoren investiert.

Und der kann sich in diesen Tagen über ein gutes Pralinengeschäft freuen. In der kleinen Produktionshalle herrscht Hochbetrieb. „Wir machen um die Weihnachtszeit den Großteil unseres Umsatzes. Jedes Jahr produzieren wir rund 3 000 Tonnen Pralinen. Das sind ungefähr 200 Millionen Stück“, sagt Jos Linkens und schiebt sich noch eine Marzipanpraline in den Mund. Er selbst esse von dieser riesigen Menge nur ein paar Hundert, meint er und streicht sich genüsslich über den leicht rundlichen Bauch. Immerhin, fügt er hinzu, sei er noch „ganz ansehnlich“ – trotz der vielen Schokolade.

Neuhaus geht es gut. Wieder gut, seit Linkens den Pralinenhersteller saniert hat. „Linkens hat ein großes Organisationstalent und einen gesunden Menschenverstand. Das macht seinen Erfolg aus“, sagt ein ehemaliger Kollege des Schokokönigs.

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