Neumann zu VW
Der erste Schritt zum Top-Job

Contis geschasster Chef Karl-Thomas Neumann steigt wie erwartet bei Volkswagen ein. Vorerst kümmert er sich um Elektroautos – später winkt ihm der Chefsessel. Und für Winterkorn und Piëch ist klar: Nur ein Techniker – wie Neumann und sie – kann Europas größten Autobauer erfolgreich führen.
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HAMBURG. Der Mann wirkte in den letzten Monaten fast unverschämt entspannt – bedenkt man, dass er im Sommer nach monatelangem Nervenkrieg mit Großaktionär Schaeffler den Chefposten beim Autozulieferer Continental in Hannover räumen musste. Die Art, wie Schaeffler ihn demontierte, rief sogar die Kritik des Schaeffler-Vertrauten und neuen Conti-Chefaufsehers Wolfgang Reitzle hervor.

Eine Abfindung in Höhe von 7,4 Mio. Euro dürfte Karl-Thomas Neumann den Abschied erleichtert haben. Doch der eigentliche Ruhequell neben seiner jungen Familie war wohl ein anderer: Neumann wusste, wie sehr er in der Autobranche geschätzt wird.

Bereits im Familienurlaub auf Norderney ereilten ihn die ersten Anrufe. Zu denen, die dem 48-Jährigen viel zutrauen, gehört VW-Chef Martin Winterkorn. Neumann gilt gar als aussichtsreicher Kandidat für dessen Nachfolge. Der 62-jährige Winterkorn dürfte noch fünf Jahre im Amt bleiben. Zeit genug für den neuen Generalbevollmächtigten Neumann, der als Verantwortlicher für Elektroautos direkt an Winterkorn berichtet, seine Hausmacht auszuweiten.

Zugute kommen dem schlanken und eloquenten Manager dabei seine Jahre bei VW. Unter dem damaligen Entwicklungschef Winterkorn brachte Neumann die pannengeplagte Fahrzeugelektronik auf Vordermann. Ein Großteil der Innovationen im Auto stammen aus den Chips. Die Entwicklungen für neue Fahrzeugnetze verschlingen Milliarden. Der ehemalige Conti-Chef verkörpert die Zukunft der gebeutelten Branche, das Elektroauto. Neumann betont als einer der wenigen den Spaßfaktor der E-Flitzer.

Für ihn spricht im Gegensatz zu anderen, internen Kandidaten auf den VW-Chefposten seine Erfahrung als Ingenieur. Für Winterkorn und VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch ist klar: Nur ein Techniker – wie sie selbst – kann Europas größten Autobauer erfolgreich führen. Kaufleuten wie dem langjährigen GM-Chef Rick Wagoner trauen sie eine solche Aufgabe nicht zu. Und fühlen sich durch den Absturz des einst weltgrößten Autoherstellers GM bestätigt.

Der Chefsessel in Wolfsburg ist der zugleich begehrteste und schwierigste Preis in der Autobranche. Neumann weiß das. Kein anderer Hersteller hat die Kraft, dem japanischen Rivalen Toyota im Kampf um die Vorherrschaft Paroli zu bieten. Volkswagens Mehrmarkenpolitik, die technisch auf modularen Baukästen fußt, bietet Chancen. Der diplomatische Neumann hat als Conti-Chef selbst in den härtesten Phasen der Auseinandersetzung mit Schaeffler nicht die Contenance verloren. Das ist wichtig in Wolfsburg, das viele Manager als Schlangengrube erleben. Neumann ist klar, dass er sich nicht gegen die Kontrollfetischisten Winterkorn und Piëch stellen darf, will er weiterkommen. Sonst droht ihm das Schicksal des ehemaligen VW-Markenchefs Wolfgang Bernhard, der an Piëch und den bei VW mächtigen Arbeitnehmervertretern gescheitert ist.

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