Neuordnung
Jochen Zeitz tritt 2011 als Puma-Chef zurück

Puma steht vor einem Zeitenwechsel. Der Sportartikel-Hersteller soll in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt werden. Das bedeutet für den jetzigen Vorstandschef Jochen Zeitz, dass er 2011 die operative Führung abgeben wird und in den Verwaltungsrat wechselt.
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HB MÜNCHEN. Der langjährige Puma-Chef Jochen Zeitz zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück. Der seit 1993 amtierende Vorstandsvorsitzende, der die damals verpönte und defizitäre Marke in die Weltliga geführt hat, soll nach der Umwandlung des Unternehmens in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) dem Verwaltungsrat vorstehen, wie der weltweit drittgrößte Sportartikel-Hersteller am Montag in Herzogenaurach mitteilte. Damit wird er künftig vor allem für die Strategie und Kontrollfunktionen zuständig sein.

Nach einem neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung (CEO) werde ab sofort gesucht. Interne und externe Kandidaten seien denkbar, sagte Zeitz, der die Suche selbst in die Hand nimmt und so lange wie nötig im Amt bleibt.

Im April 2011 soll die Hauptversammlung über die Umwandlung der AG in eine SE abstimmen. Eine Mehrheit von 75 Prozent der anwesenden Stimmen ist erforderlich. Die Zustimmung gilt als sicher, weil allein der französische Großaktionär PPR rund 71 Prozent der Stimmen kontrolliert. Die alte Struktur mit Vorstand und Aufsichtsrat ist dann Geschichte. Stattdessen wird ein Verwaltungsrat nach internationalem Vorbild eingeführt. Das operative Geschäft wird von Direktoren verantwortet. Unklar ist noch, ob der neue CEO auch im Verwaltungsrat sitzen wird.

Zeitz übernimmt zugleich zwei neue Aufgaben im PPR-Konzern, die es in dieser Form bisher noch nicht gab und gewinnt dadurch an Einfluss in Paris. Zeitz wird zuständig für die Nachhaltigkeit bei PPR - ein Thema, das ihn schon bei Puma stark beschäftigt hat. Noch wichtiger aber wird die Leitung des neuen PPR-Bereichs „Sport & Lifestyle“. Zu diesem gehört die Marke Puma. Doch PPR-Chef Francois-Henri Pinault will den Bereich zum zweiten Standbein neben dem Luxus-Segment mit der Hauptmarke Gucci machen. Der Sport-Bereich solle in den nächsten Jahren wachsen. Ziel sei es, starke und sich ergänzende Marken aufzubauen.

Dafür seien auch Zukäufe möglich, tendenziell kleinere oder mittlere Deals eher als große Akquisitionen. Gesucht werde in Bereichen, in denen Puma nicht präsent sei oder kurzfristig nicht zulegen könne, erklärte Pinault. Puma selbst kann auch aktiv werden: „Wir schauen uns nach Akquisitionen um“, sagte Zeitz. Zu konkreten Zielen wollte er sich aber nicht äußern. In der Branche wird die Raubkatzen-Marke unter anderem als Interessent für die zum Verkauf stehende Outdoor-Perle Jack Wolfskin gehandelt, nachdem sich der größere Lokalrivale Adidas hier zurückgezogen hat. Zuletzt hatte Puma seine Golf-Aktivitäten mit der Übernahme der Marke Cobra gestärkt.

Ende Oktober will Puma den neuen Schlachtplan für die Jahre 2011 bis 2015 vorstellen. Der grobe Rahmen steht bereits: Nach Rückschlägen in der Wirtschaftkrise soll das Umsatzpotenzial von vier Mrd. Euro bis 2015 erreicht werden. Hierbei sind Zukäufe noch nicht eingerechnet, so dass es auch deutlich mehr werden könnten. 2009 kam Puma auf Erlöse von rund 2,5 Mrd. Euro. Eigentlich wollte Zeitz das Potenzial schon bis 2010 ausschöpfen, doch die Wirtschaftskrise machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an: Puma-Aktien fielen um 2,5 Prozent auf gut 253 Euro und waren einer der größten Verlierer im Nebenwerte-Index MDax. Denn PPR-Chef Pinault enttäuschte die Hoffnung vieler Anleger, die Kleinaktionäre von Puma zu einem guten Preis aus dem Unternehmen rauszukaufen. Stattdessen sagte er, Puma bleibe an der Börse. Die Kontrolle über 100 Prozent der Anteile habe keine Priorität.

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