New Yorker Professor im Interview
Warum Manager das Web 2.0 nutzen sollten

Nicht nur für Unternehmen, auch für Führungskräfte bieten soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter enorme Chancen, sagt der New Yorker Professor Sree Sreenivasan - selbst bei eng getakteten Arbeitstagen.
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DüsseldorfProfessor Sree Sreenivasan gibt an der renommierten Columbia Business School in New York Marketingkurse. An der Journalistenschule der Universität ist er Experte für die Nutzung von Social Media („Web 2.0“). Regelmäßig referiert er vor Managern und Redaktionen über den sinnvollen Umgang mit Facebook Twitter und Co.

Wie können Unternehmen durch Engagement im Web 2.0 Geld verdienen?

Viele Unternehmen glauben, dass Geld automatisch reinkommt, wenn man im Web 2.0 mitmacht. Das ist aber nicht der Fall. Es ist ein super Weg, um bestehende Kundenbeziehungen zu pflegen und neue aufzubauen. Eine unmittelbare Rendite zu errechnen, ist schwer. Es ist mehr wie die Stromrechnung eines Unternehmens zu bewerten: Die Ausgaben für Social Media sind ganz normale Geschäftsausgaben, die man selbstverständlich aufbringen muss. Wenn man nicht mitmacht, hat man ein Problem. Aber man muss nicht auf jeder Plattform sein.

Aber wie treffe ich als Firma die Entscheidung, wo ich mitmache? 

Wir sind beim Web 2.0 da, wo das Internet 1996 war. Damals hat man sich tatsächlich gefragt, ob die E-Mail-Adresse wirklich auf die Visitenkarte gehört. Den sozialen Medien steht ein weiterer Bedeutungswachstum bevor, der dem der Verbreitung von E-Mails entsprechen wird. Unternehmen müssen diese Trends im Blick haben, aber nicht bei allen neuen Diensten mitmachen. Denn einige werden spektakulär scheitern wie etwa die virtuelle Parallelwelt Second Life. Aber andere setzen sich durch und da muss man dabei sein. Beim Pharma-Konzern Pfizer hatte man den Mitarbeitern etwa die Facebook-Nutzung untersagt, was mittlerweile aber wieder geändert wurde. Denn für manche junge Mitarbeiter ist ein Verbot als würde man sagen: keine Handy-Benutzung am Arbeitsplatz! Kein Konzern kann ein Medium ignorieren, das weltweit mehr als 800 Millionen Leute nutzen.

Ein konkretes Beispiel: Sollten Unternehmen bei Pinterest mitmachen, einer Art visuellen Facebook-Variante?

Pinterest ist ein gutes Beispiel. Es wächst schneller, als etwa Google Plus gewachsen ist. Wenn man in einer visuell getriebenen Branche ist, sollte man sich das auf jeden Fall anschauen. Aber für andere ist das eben nichts. Ausgangspunkt für die Überlegung muss immer die Frage sein, welche Dienste die Kunden nutzen. Wo kann man ich die Aufmerksamkeit der Kunden erlangen? Denn Aufmerksamkeit ist die Ressource, um die alle wetteifern. Jede Firma, die etwa eng mit einen bestimmten physischen Ort geknüpft ist, muss sich mit Foursquare auseinander setzen, einem Lokalisierungsdienst. Geschäftsleute müssen es in jedem Fall ausprobieren, um keine große Chance zu verpassen. Der Aufstieg mobiler Endgeräte und des sozialen Netzes haben die größte Auswirkung auf Unternehmen seit der Etablierung des Internets.

Kommentare zu " New Yorker Professor im Interview: Warum Manager das Web 2.0 nutzen sollten"

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  • Dirk Popp: Zu “Warum Manager das Web 2.0 nutzen sollten”. Schönes Interview. Alles in allem keine wesentlich neuen Dinge, aber gespickt mit praktischen Beispielen und sinnvollen Vorschägen. Wer als Manager und Einsteiger eine grundsätzliche Einschätzung zum Social Web braucht, sollte den Artikel lesen. Besonders schön: Das Ganze ohne erhobenen Zeigefinger. Deshalb auch auf crisiseverwhere.com genannt.

  • RB ist auch Unternehmer und kein angestellter Manager. Von letzteren erwarte ich, daß sie den Wert des Unternehmens erhöhen, das sie bezahlt, und nicht Werbung in eigener Sache machen und sich zu Lasten des Unternehmens profilieren. Dies stürzt nämlich spätestens dann in eine Krise wenn dieser Manager ungeplant bzw. unerwartet aus dem Unternehmen ausscheidet (s. Apple). Und eine Identifikation CEO-Unternehmen gab es vor Twitter und den Blogs auch öfter, z.B. GE's Jack Welch.

  • Richard Branson hat in seinem Leben zwei starke Marken aufgebaut: Die von Virgin und die von Richard Branson. Und was er als Richard Branson denkt und erlebt, daran lässt er die Leute offen teilhaben: Auf Virgin.com hat er sein eigenes erfolgreiches Blog und auf Twitter folgen ihm rund 1,2 Millionen Menschen! Am Account des Unternehmens @Virgin sind lediglich 18.000 interessiert. Das Beispiel Branson macht deutlich, welche Power ein CEO in Sachen Imagebildung und Meinungsmacht in sich vereinen kann. Nicht nur in der externen Dimension: Die Strahlkraft dieser Marke wirkt auch ins Unternehmen hinein.
    http://www.zimmermanneditorial.de/die-da-oben-ceos-und-social-media/

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