Nicht alles gehört ins Arbeitszeugnis
Arbeitszeugnis: Bei der Leistungsbeurteilung kommt es auf jedes Wort an

Die Leistungsbeurteilung ist die wichtigste Zeugniskomponente. Sie ist eine Darstellung der Motivation, der Arbeitsbefähigung und des Wissens, des Arbeitsstils, des Erfolges, der Führungsleistung (bei Vorgesetzten) und der allgemeinen Zufriedenheit.

Die Beurteilung ist Sache des Arbeitgebers, ihm steht ein Beurteilungsspielraum zu. Die Beurteilung ist auf das Gesamtbild der Leistung und nicht auf atypische Ereignisse, kurzzeitige Leistungstiefs oder nur auf die Endphase der Zusammenarbeit abzustellen. Überwundene Einarbeitungsschwierigkeiten oder kleine Mängel beim Aufbau von Abteilungen oder bei Reorganisationen sollten nicht erwähnt werden.

Bei allen Komponenten gilt: Es kommt auf jedes Wort an

Zur Bewertung der Arbeitsmotivation werden Begriffe wie Einsatzwille, Engagement, Initiative und Zielstrebigkeit eingesetzt. Beispiel: „Er hat mit Pioniergeist und hohem Einsatzwillen einen guten Beitrag zum Aufbau und zum gemeinsamen Erfolg geleistet.“ Oder: „Sie identifizierte sich stets in vorbildlicher Weise mit ihrer Aufgabe und dem Unternehmen.“

Die Arbeitsbefähigung umfasst die geistigen, psychischen und körperlichen Fähigkeiten. Intelligenz und Auffassungsgabe kann man als Schlüsselqualifikationen bezeichnen. Etwa: „Er arbeitete sich dank seiner guten Auffassungsgabe rasch in neue Probleme ein.“ Zur Stressresistenz: „Er war auch in schwierigen Situationen sehr gut belastbar und entschied dabei umsichtig und sicher.“ Zur Flexibilität: „Er stellte sich auf veränderte Arbeitssituationen schnell ein und war daher vielseitig einsetzbar.“ Aber auch: „Sie hatte festgefügte Ansichten“, – sie war also inflexibel.

Beim Fachwissen sind der Inhalt, der Umfang, die Tiefe, die Aktualität und die Anwendung herauszustellen. Beispiel: „Frau X verfügte über ein umfangreiches, fundiertes und aktuelles steuerrechtliches Wissen, das sie zum Nutzen des Unternehmens stets sehr gut in der Praxis umsetzte.“

Ein Zuviel an Weiterbildung kann als Flucht vor der Arbeit gedeutet werden

Weiterbildung spielt insbesondere bei Jüngeren eine Rolle. Etwa: „Herr X hat sich beständig weitergebildet und die erworbenen Kenntnisse hervorragend praktisch umgesetzt.“ Bei der Bewertung eines Trainees klingen erfolgsbezogene Aussagen wie „hat sich angeeignet“ oder „vervollkommnete...“ besser als „wurde ausgebildet“ oder „hat durchlaufen“. Die übliche Anpassungsfortbildung sowie Weiterbildungsaktivitäten ohne Gegenwartsbedeutung gehören nicht ins Zeugnis. Ein Zuviel an Weiterbildung kann als Flucht vor der Arbeit gedeutet werden. Hat ein Arbeitnehmer eine Prüfung nicht bestanden (etwa zum Steuerberater), so ist dies nicht ins Zeugnis aufzunehmen.

Der Arbeitsstil kann eine Würdigung von Selbstständigkeit, Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Planung, Systematik und Methodik umfassen. Die Betonung besonderer Sorgfalt ohne Aussage über die Arbeitsmenge wird als Mangel im Arbeitstempo gedeutet.

Da es bei der Arbeit nicht nur auf den Versuch, sondern auf das Ergebnis ankommt, sollte bei der Leistungsbeurteilung auch der persönliche Arbeitserfolg herausgestellt werden. Er zeigt sich in der Zielerreichung, der Arbeitsquantität, der Arbeitsqualität, der Verwertbarkeit der Arbeitsergebnisse sowie in der Termineinhaltung. Heißt es in der Positionsbeschreibung, der Mitarbeiter sei für die Neukundengewinnung oder für die Produktentwicklung zuständig, so muss konkret gesagt werden, ob und inwieweit er dabei Erfolg hatte. Um die Beurteilung zu objektivieren, empfiehlt es sich, die Erfolge zu quantifizieren: Umsatz, Fallzahlen, Kennziffern, Grad der Zielerfüllung. Die Aussage „die Aufgaben, die er aufgriff“ deutet an, dass Arbeiten nicht beendet wurden. Bei Mitarbeitern im Vertrieb kann die Betonung der Geschäftsanbahnung ohne Aussage über den Geschäftsabschluss ein erfolgloses Bemühen andeuten.

Konkrete Erfolge nennen

Eine sehr gute Beurteilung kommt nicht allein durch die Zufriedenheitsfloskel zustande. Besser wirkt es, wenn konkrete herausragende Erfolge genannt werden – Übernahme einer Führungsposition in jungem Alter, längere wirkliche Stellvertretung, Lösung von schwierigen Spezialaufgaben, Leitung von Projekten und Reorganisationsprozessen, Steigerung von Umsatz und Gewinn bei schwieriger Wettbewerbslage, Gewinnung von Großkunden, Markteinführung neuer Produkte, nachhaltige Kostensenkungen.

Im Zeugnis eines Vorgesetzten ist nicht nur seine Eigenleistung, sondern auch das Ergebnis seiner Mitarbeiterführung zu beurteilen. Wichtig ist, dass sowohl zur Auswirkung der Führung auf die Mitarbeiterleistung als auch zur Auswirkung auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter Stellung genommen wird. Etwa: „Durch seine verbindliche, aber bestimmte Art hatte er ein ausgezeichnetes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern, was zu einem sehr produktiven Arbeits- und Betriebsklima führte.“ Die Aussage „Er erwartete, dass seine Mitarbeiter sich voll einsetzten“ lässt dagegen offen, ob die Führungskraft ihre Erwartungen auch durchsetzte. Daraus Folgt: Lesen Sie Ihr Zeugnis genau.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%