Nick Butler
Einer fürs Klima

Ein eigenes Cambridge Centre for Energy Studies ist an der Judge Business School der University of Cambridge gegründet worden. Kürzlich wurde Nick Butler, 52, zum Gründungsdirektor ernannt. Mit ihm an der Spitze soll die britische Elite-Hochschule „eine Führungsrolle in den internationalen Anstrengungen gegen Klimawandel und Erderwärmung“ übernehmen.

Handelsblatt: Der Judge Business School der Universität Cambridge hat soeben ein neues Cambridge Centre for Energy Studies in’s Leben gerufen und Sie zu dessen Gründungsdirektor ernannt. Was sind die Ziele des neuen Forschungszentrums?

Wir werden uns mit den Schlüsselfragen beschäftigen, die die Energiesicherheit betreffen. Das geht von den unmittelbaren Herausforderungen, die sich durch die Abhängigkeit Europas von einer sehr kleinen Zahl von Energielieferanten wie Russland ergeben bis zu längerfristigen Risiken wie dem Klimawandel.

Wir wollen die enormen Wissensressourcen zusammen bringen, die es zu diesem Themenkomplex an der Universität Cambridge gibt, einerseits um das Verständnis der Sachverhalte zu verbessern, anderseits aber auch um einen Beitrag zu der politischen Debatte zu leisten, und das sowohl in Großbritannien als auch international.

In ihren ersten Ankündigungen behauptet die Judge Business School, dass ihr neues Zentrum „eine Führungsrolle in den internationalen Anstrengungen gegen Klimawandel und Erderwärmung“ übernehmen wird. Man würde sagen, dass dies nicht mehr als die übliche Business School-PR und ein bisschen anmaßend ist. Wie seriös können Sie einen solchen Anspruch überhaupt erheben?

Ich glaube, was Sie sagen, ist komplett falsch. Das Statement ist der Ausdruck dessen, was wir wollen, eine Absichtserklärung. Wir glauben, dass wir eine solche Rolle erreichen können, aber wir müssen es noch beweisen.

Ist es nicht etwas erstaunlich, dass gerade eine Business School ein solches Zentrum begründet. Welche Rolle kann eine Manager-Ausbildungsstätte in der Diskussion um Klimawandel spielen?

Ich glaube, dass dies nirgendwo anders als in Cambridge möglich wäre, wo die Business School ein integraler Bestandteil der Universität ist. Wir wollen die Stärken der einzelnen Fakultäten der gesamten Universität nutzen, inklusive der Fakultäten für Naturwissenschaften, Mathematik, Jura und Wirtschaftswissenschaften. Die Business School ist der ideale Ort für die Forscher und Wissenschaftler, um zusammen zu kommen, aber auch um Leute aus der Geschäftswelt und Politik zu begegnen.

Es ist sicherlich unbestreitbar, dass die Universität Cambridge als Ganzes über die notwendigen Wissensressourcen verfügt, um über solche Themen nachzudenken. Aber Sie haben als Business School, bzw. als der Direktor des Cambridge Centre for Energy Studies doch keinen Durchgriff auf die Professoren und Wissenschaftler der anderen Fakultäten.

Wir können niemanden zur Zusammenarbeit zwingen. Aber die Gründung des Centre hat zu einem bemerkenswerten Enthusiasmus an vielen Stellen der gesamten Universität geführt. Das zeigt zum Beispiel die Beteiligung von Lord Rees, Master des Trinity College und Präsident der Royal Society, oder von Sir David Wallace, dem Master des Churchill College und Chef des auf Mathematik spezialisierten Newton Institute.

Über wie viele eigene Ressourcen verfügt das Centre?

Wir haben gerade erst mit dem Aufbau begonnen. Meine Hoffnung als Direktor ist es, dass wir innerhalb eines Jahres ein Team von acht bis zehn Top-Leuten haben und die finanzielle Unterstützung von einer Reihe von Sponsorunternehmen aus dem Energiesektor.

Lassen Sie uns einmal über Ziele sprechen, deren Erreichen man auch nachprüfen kann. Wo soll das Centre in einem, wo in fünf Jahren stehen?

Unser Ziel ist eine Serie von Projekten, von denen mindestens zwei im nächsten Jahr starten sollen.

Und das heißt konkret?

Wir haben die Absicht, mindestens zwei große internationale Konferenzen pro Jahr hier in Cambridge zu veranstalten. Und das Centre wird auch spezielle Programme für Manager entwickeln, die im Energiesektor arbeiten.

Bevor Sie diese neue Aufgabe an der Judge Business School angenommen haben, waren Sie “Group Vice President for Policy and Strategy Development” beim Mineralölkonzern BP. Man könnte sagen, dass Sie in dieser Position doch viel mehr konkreten Einfluss auf Energiefragen hatten als jetzt. Warum sind Sie von BP weggegangen?

Ich war 29 Jahre bei BP, und es war an der Zeit, etwas Neues zu versuchen. Bei BP können Sie Einfluss auf die Entscheidungen und Aktivitäten eines einzelnen Unternehmens haben, das in einem Teil des Energiegeschäfts aktiv ist. In meiner neuen Rolle hoffe ich, Einfluss auf Entscheidungen in einem viel breiteren Spektrum zu haben.

Sie waren auch Co-Director des “BP Programme at Yale”. Können Sie uns mehr über dieses Programm an der US-Uni sagen?

Dieses Programm wurde vor drei Jahren in’s Leben gerufen, um es BP zu ermöglichen, mit führenden Wissenschaftlern von Yale in Kontakt zu kommen. Es gab Seminare über Russland, die Beziehungen zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor zu verschiedenen Epochen in der Geschichte, zu Umweltfragen und zur Entwicklung der Städte. Mein Co-Direktor war der bekannte Historiker Professor Paul Kennedy, Autor des weltweiten Bestsellers „The Rise and Fall of Great Powers“.

Und dann sind Sie auch noch an einer der führenden Hochschulen Chinas aktiv. Sie sind Mitglied des Executive Committee of the Centre for China in the World Economy an der Tsinghua Universität in Peking. Was machen Sie da?

Auch dieses Zentrum wurde von BP vor drei Jahren gegründet. Es ist auf Wirtschaftsfragen fokussiert und hat zum Ziel, eine Brücke zwischen der akademischen Welt in China und der Welt zu schlagen. Ich bin Mitglied des Executive Committee – zusammen mit den beiden Nobelpreisträgern James Mirlees and Joe Stiglitz.

Wenn man auf diese lange Liste von ganz verschiedenartigen Aktivitäten sowohl in Großbritannien als auch in der ganzen Welt schaut, fragt man sich, wie viel Zeit und Energie Sie in Zukunft überhaupt für Ihren neuen Job in Cambridge aufwenden wollen und können.

Dies hier ist die einzige Aktivität, wo ich eine wirkliche Managementfunktion ausübe.

Aber die britische Presse führt Sie auch als “ideologischen Pfeiler von New Labour“ und das „Centre for European Reform“, wo Sie ebenfalls aktiv sind, als „New Labour think tank“. Werden Sie auch in Ihrer neuen Funktion diese politischen Aktivitäten im Hintergrund fortsetzen?

Sie sollten nicht alles glauben, was in der Presse steht! Das Centre for European Reform ist von der Politik völlig unabhängig. Ich habe meine eigene politische Meinung und ich werde diese auch in Zukunft weiter vertreten. Aber das Cambridge Centre for Energy Studies ist (partei)politisch völlig ungebunden.

Wie sieht es mit Ihren persönlichen Beziehungen zu Deutschland aus?

Ich bin ein großer Bewunderer Deutschlands, und ich bin recht häufig als Redner für die Deutsch-Englische Gesellschaft dort. Und ich hoffe, dass auch das neue Centre viele Verbindungen nach Deutschland aufbauen wird.

Die Fragen stellte Christoph Mohr.

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