Nick Prettejohn wechselt nach erfolgreicher Reformarbeit von Lloyds zu Prudential
Mit missionarischem Eifer

Gerüchte kursierten seit Monaten in der City. Seit gestern ist es amtlich: Nick Prettejohn verlässt den Versicherungsmarkt Lloyds of London. Anfang Januar wechselt er als Leiter des britischen Geschäfts zu Prudential, dem zweitgrößten Versicherer in England.

LONDON. Er ersetzt Mark Wood, der den Konzern nach einem verlorenen Machtkampf um die Chefposition verlässt.

Der 44-jährige Prettejohn hat den fünftgrößten Rückversicherer der Welt in das 21. Jahrhundert hinüber gerettet. Als er vor fünf Jahren bei Lloyds of London anfing, befand sich der als Marktplatz organisierte Verbund Dutzender Versicherer vor der größten Krise seiner mehr als 300-jährigen Geschichte: Im Steuerparadies Bermudas registrierte und billigere Konkurrenten schnappten dem Institut Geschäft weg. Einige persönlich haftende Mitglieder des Verbundes nahmen zu schnell zu hohe Risiken auf. Das rächte sich: Asbest- und andere Umweltschäden führten zu Jahren mit Milliardenverlusten und damit existenzbedrohender Schieflage.

Es war eine Aufgabe, für die sich der Vater zweier Kinder, der in der City durch seinen geradezu missionarischen Eifer bekannt ist, als richtig erwies. Er wurde der Lotse in schwierigen Zeiten. Er entmachtete private Mitglieder, erneuerte die Verbundstruktur und lieferte drei Jahre lang Milliardengewinne ab. Prettejohn hinterlässt ein gut bestelltes Haus, und er weiß es. Wer kürzlich mit ihm redete, bekam noch den gleichen Eifer über die gelungene Reform zu spüren wie zu Beginn.

Bei Prudential übernimmt der in Oxford ausgebildete Prettejohn nicht den Chefposten. Er leitet nur das britische Geschäft. Ihm fehlt als Koordinator des Marktplatzes Lloyds of London die nötige Erfahrung im operativen Versicherungsgeschäft. Nach ersten Arbeitserfahrungen beim Unternehmensberater Bain & Company wechselte er zum Venture-Capital-Geber Apax Partners, bevor er 1995 als Leiter der strategischen Abteilung zu Lloyds stieß.

Dennoch übernimmt der Opernliebhaber – Don Carlos von Verdi ist sein Allzeit-Favorit – eine Schlüsselrolle bei seinem neuen Arbeitgeber: Das Geschäft auf dem Heimatmarkt stellt für Prudential die wichtigste Baustelle im Konzern dar. In einem umkämpften Markt will das Institut in diesem Jahr um zehn Prozent wachsen. Dafür hat es im vergangenen Jahr eine umstrittene Kapitalerhöhung durchgesetzt – ein Schritt, der den früheren Prudential-Chef Jonathan Bloomer sein Amt kostete. Nun wollen die Investoren bald Ergebnisse sehen.

Die Nachfolge für Prettejohn bei Lloyds indes ist noch nicht geregelt. Als interner Favorit gilt bislang Julian James, der Leiter des weltweiten Absatzgeschäfts.

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