Nick Scheele und Jacques Nassers
Zwei Ex-Fordianer ringen um Jaguar und Land Rover

Einst profitierte Nick Scheele vom Rauswurf Jacques Nassers als Ford-Chef. Nun treffen sich die beiden am Verhandlungstisch wieder. Der Finanzinvestor Ripplewood wappnet sich mit der Personalie für die heiße Phase der Verkaufsgespräche von Jaguar und Land Rover.

FRANKFURT. Im Leben sieht man sich immer zwei Mal. Nirgends ist das wahrer als bei ehemaligen Vorstandschefs, die im Laufe ihrer Karriere in die Private-Equity-Branche wechseln: Oft bieten sie dann mit ihrem neuen Arbeitgeber mit bei der Übernahme des alten.

Eine besonders pikante Variante erreicht dieses Spiel aber im Ringen um den Verkauf von Jaguar und Land Rover, den Luxusmarken von Ford. Denn am Verhandlungstisch treffen sich der Ex-Jaguar-Chef und Ex-Ford-Präsident Nick Scheele – und der ehemalige Ford-Vorstandsvorsitzende Jacques Nasser. 2005 hatte Scheele sich mit 61 Jahren als Präsident und COO von Ford in den Ruhestand verabschiedet. Jetzt hat der Finanzinvestor Ripplewood „Sir Nick“ als Berater im Poker um Jaguar und Ford angeheuert, wie die britische „Financial Times“ berichtete. Ripplewood folgt damit dem Beispiel des Konkurrenten One Equity: Dort sitzt Nasser am Verhandlungstisch, von 1999 bis 2001 CEO von Ford.

Nasser hatte die Luxusmarken einst zu Ford geholt, nun will er zeigen, dass mit ihnen mehr möglich ist als das, was Ford aus ihnen macht. Aber auch Scheele hat zu Jaguar eine persönliche Verbindung: Der mehrsprachige Manager stand ab 1992 selbst für sieben Jahre an der Spitze des verlustreichen Sportwagenbauers. Es war Nasser, der den Briten 1999 von dort zum Präsidenten von Ford Europe beförderte und anschließend als Chef des Nordamerika-Geschäfts in die Konzernzentrale nach Dearborn holte. Als es wenig später zum Umsturz an der Firmenspitze kam und Bill Ford aus der Gründerfamilie Nasser ablöste, rückte der pausbäckige Brite mit den schlohweißen Haaren zum zweiten Mann im Unternehmen auf.

Ripplewood wappnet sich mit der Personalie für die heiße Phase der Verkaufsgespräche. Ford dringt beim Verkauf der Luxusmarken auf Tempo: Ende September will der US-Autobauer den Verkauf nach einem Bericht der „New York Times“ abschließen. Zu den Interessenten werden neben Ripplewood und One Equity auch der Finanzinvestor Cerberus, die Buy-out-Firma TPG sowie der indische Autobauer Tata gezählt.

Scheeles Kontakte und Insiderkenntnisse können da noch nützlich werden. So war er es, der 2001 den ersten Revitalisierungsplan für den in die Krise geratenen Ford-Konzern entwickelte. 2003 aber begann sein Stern zu sinken. Das Management bekam die Krise nicht in den Griff, und Scheele geriet wegen einer Affäre um Interessenskonflikte zusätzlich unter Beschuss. Ihm wurde vorgeworfen, der britischen Werbeagentur WPP wegen persönlicher Verbindungen Aufträge zugeschanzt zu haben. Ein Jahr später war Scheele entmachtet: Jim Padilla, der ebenfalls seine gesamte berufliche Laufbahn bei Ford verbracht hatte, beerbte ihn zunächst als Leiter des operativen Geschäfts und später auch als Präsidenten.

Doch noch immer verfügt Scheele, dessen Vater aus Deutschland stammt, über ein enges Netzwerk im Konzern – kein Wunder, dort arbeitete er 38 Jahre. Denn im Gegensatz zu Nasser waren Scheele und Ford im Frieden auseinandergegangen. Scheele dürfte es deshalb leichter haben, für Ripplewood seine Beziehungen spielen zu lassen.

Dass solche Drähte einen Unterschied ausmachen können, hatte unlängst erst Cerberus vorgemacht: Für den Finanzinvestor war bei der gelungenen Übernahme des US-Autoherstellers Chrysler im Mai die Verpflichtung von Ex-Daimler-Manager Wolfgang Bernhard möglicherweise ein entscheidender Schachzug gewesen.

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