Nicolas Duhamel
Der talentierte Finanz-Riese

Wo Nicolas Duhamel mit seinen fast zwei Metern Größe auftaucht, herrscht oft ehrfürchtiges Staunen. Und das wird künftig wohl eher noch zunehmen, denn auf den hageren Franzose mit der schmalen Drahtbrille und dem adretten Seitenscheitel wartet seit Beginn der Woche eine große Aufgabe: Der Finanzchef der neuen französischen Großbank, die aus der Sparkassengruppe Caisse d´Epargne und der Volksbankengruppe Banque Populaire entstehen soll, muss dafür sorgen, dass künftig die Kasse stimmt.

PARIS. Er ist Finanzchef der neuen französischen Großbank, die nach der Fusion der Sparkassengruppe Caisse d´Epargne und der Volksbankengruppe Banque Populaire, noch in diesem Sommer entstehen soll.

Duhamel muss spätestens dann dafür sorgen, dass die Kasse stimmt. Und darin hat er Erfahrung. Startete er doch seine Karriere genauso wie der designierte aber umstrittene Großbankchef François Pérol als Finanzinspektor, war dann Finanzchef bei der Post, France Télécom und dem größten französischen Medienkonzern Vivendi. Ideale Voraussetzungen also für seinen neuen Job als Finanzexperte der zukünftig zweitgrößten französischen Bank mit 34 Millionen Kunden und 110 000 Mitarbeitern.

Unruhig macht ihn das nicht. Der im vornehmen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geborene Arztsohn liebt Herausforderungen und ließ sich vielleicht gerade deshalb zu der neuen Großbank locken, deren Finanz-Situation äußerst kritisch ist. „Die sieben Jahre bei La Poste waren sehr arbeitsintensiv. Es gibt keinen Zweifel, dass dieses neue Projekt ebenso spannend wird“, sagt er, und es klingt, als freue er sich drauf. Denn trotz Finanzkrise ist Duhamel zuversichtlich und hat schon genaue Vorstellungen von dem, was ihm bevorsteht: „Man muss eine solide Basis schaffen, um dann daraus einen wichtigen Akteur in der Bankenlandschaft zu schmieden.“

Auch wenn er bislang den größten Teil seiner Karriere nicht bei Banken verbracht hat, hat er sich für den neuen Posten durch seinen Ruf als ausgemachtes Finanztalent empfohlen. Aus dem Kreis von Bankchef François Pérol hieß es, die Ernennung von Duhamel sei „eine sehr gute Neuigkeit“.

Und auch vernetzt in der Politik ist der 55-Jährige bestens: Er besuchte die Politiker-Eliteschule ENA (Ecole Nationale d´Administration) in einem Jahrgang mit Ex-Premierminister Dominique de Villepin und den Sozialisten Ségolène Royal und François Hollande, während Pérol beste Kontakte zu Präsident Nicolas Sarkozy hat, dessen Berater er lange war.

Ein kühler Technokrat ist Duhamel trotz seiner Vorliebe für Zahlen aber nicht. Er spielt Tennis und fährt Ski und legt Wert darauf, dass die Emotionen nicht zu kurz kommen: Duhamel ist ein leidenschaftlicher Klavierspieler und ein großer Fan des romantischen deutschen Komponisten Robert Schumann. Seine Gefühle zu zeigen, ist für ihn „im Leben und im Unternehmen unbedingt notwendig“, sagt er. In der nächsten Zeit dürften das Klavierspielen – und die Emotionen – allerdings zu kurz kommen, die nackten Zahlen dagegen im Vordergrund stehen. Duhamels Priorität wird es sein, die angeschlagene Investmenttochter Natixis zu retten, die den Genossenschaftsbanken Milliardenverluste einbrachte. Bereits im vergangenen Jahr hatten die französischen Banken und Sparkassen Natixis mit 5,6 Mrd. Euro gestützt, im Mai fielen noch einmal 3,5 Mrd. Euro wegen Belastungen für faule Wertpapiere an.

Die Natixis-Verluste waren es auch, die Präsident Nicolas Sarkozy dazu brachten, die Fusion der beiden Mutter-Konzerne voranzutreiben und seinen Vertrauten Pérol, an die Spitze zu setzen. Analysten fürchten allerdings, dass es nicht die letzte Finanzspritze für Natixis war. Duhamel muss sich also darum kümmern, dass Natixis nicht ein Fass ohne Boden wird und die gesamte neue Gruppe schwächt. Schafft er das wird er wohl noch mehr ehrfürchtiges Staunen ernten.

Nicolas Duhamel

1953: Nicolas Duhamel wird am 13. August im Pariser Nobel-Vorort Neuilley-sur-Seine geboren.

1980: Abschluss an der Elitehochschule für Politiker ENA (Ecole nationale d´administration)

1984: Karrierestart als Finanzinspektor.

1984: Finanzchef bei der Direction générale des Télécommunications, dem Vorgänger von France Télécom.

1988: Wechsel zur Gruppe Havas als Direktor für Investitionen und Entwicklungen, später als Finanzchef, die im Jahr 2001 zu Vivendi Universal Publishing wird.

2002: Wechsel als Finanzdirektor zur französischen Post.

2009: Finanzchef bei der neuen Großbank die aus Caisse d´Epargne und Banque Populaire entstehen soll.

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