Nicolas Petrovic
Der Eurostar-Chef setzt sich durch

Eurostar-Chef Nicolas Petrovic sorgte für Furore, als er deutsche Züge für ein französisches Unternehmen einkaufte. Seine Entscheidung für Siemens und gegen deren französischen Konkurrenten Alstom wurde sogar vor Gericht verhandelt. Doch die Justiz war auf Petrovics Seite.
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LONDON. Geradezu genüsslich hat Nicolas Petrovic Anfang Oktober eine revolutionäre Entscheidung verkündet: Siemens und nicht mehr der französische Konkurrent Alstom werde die neuen Züge für sein Unternehmen bauen, sagte der Eurostar-Chef und grinste breit. "Das ist die beste Lösung für unsere Kunden."

Was nach einer ganz normalen Managemententscheidung klang, hat einen Eklat provoziert. Deutsche Züge für ein Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz der französischen Bahngesellschaft SNCF ist, das wollten weder französische Politiker noch die Alstom-Führung hinnehmen. Der Konzern zog Eurostar vor ein Londoner Gericht, um die Entscheidung zu blockieren - vergeblich. Ende vergangener Woche gab der Richter Petrovic recht: Eurostar darf, wie geplant, deutsche Zugtechnik bestellen.

Alstom gibt zwar noch nicht auf. Anfang dieser Woche will der Konzern entscheiden, ob er Einspruch gegen den Beschluss einlegt. Die Wahrscheinlichkeit, damit durchzukommen, sei aber gering, sagen Rechtsexperten. Dass Petrovic mit dem Zuschlag an Siemens einen Riesenkrach auslösen würde, muss dem 41-Jährigen klar gewesen sein. Der Mann ist Franzose, er hat an einer Pariser Wirtschaftshochschule studiert, an der Management-Kaderschmiede Insead seinen MBA gemacht. Zehn Jahre hatte er zudem bei SNCF in Paris gearbeitet.

Ihm muss klar gewesen sein, wie die französische Industrie tickt - dass Unternehmen nach verlorenen Ausschreibungen gerne ihre Juristen einschalten und dass sie Niederlagen nicht einfach so hinnehmen. Dennoch hat Petrovic sich eine offene Flanke erlaubt. Das Ausschreibungsverfahren war nicht so transparent, wie es hätte sein können, kritisierte der Richter am Londoner Gerichtshof. Trotzdem hat er zugunsten von Eurostar und Siemens entschieden. Denn Siemens habe schlicht das mit Abstand bessere Angebot geliefert. Außerdem sei es im Sinne des Wettbewerbs, wenn Eurostar jetzt mit der Bestellung der Siemens-Züge fortfahren könne.

Schon einmal hat sich Petrovic angreifbar gemacht, am Ende hat er dennoch sein Ziel erreicht: Als im Dezember 2009 Eurostar-Züge im Eurotunnel liegenblieben und Hunderte von Fahrgästen feststeckten, war Petrovic für das Tagesgeschäft bei Eurostar zuständig - und damit für das Krisenmanagement. Er habe versagt, kritisierten Experten damals. Mit der schlechten Performance gefährdete er seinen eigentlich schon beschlossenen Aufstieg zum Eurostar-Chef. Doch Petrovic setzte sich durch - einige erklären das mit seinen engen Drähten zu seinem früheren Arbeitgeber und heutigen Eurostar-Mehrheitseigner SNCF.

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