Nicoley Baublies Der besonnene Kämpfer der Ufo

So mancher Lufthansa-Kunde ist derzeit auf Nicoley Baublies wohl nicht besonders gut zu sprechen: Der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft muss Fingerspitzengefühl beweisen.
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Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft UFO, auf dem Flughafen in Frankfurt. Quelle: dpa

Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft UFO, auf dem Flughafen in Frankfurt.

(Foto: dpa)

Seinen Wechsel aus der IT-Industrie hat er noch nicht bereut. Jahrelang arbeitete Nicoley Baublies als IT-Berater, fand den Job vor dem Bildschirm dann aber zu langweilig. 2004 ging er zur Lufthansa, als Flugbegleiter. Über Langeweile kann sich der 39-Jährige nun nicht mehr beklagen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) muss die Flugbegleiter durch ihren ersten unbefristeten Streik führen.

Bislang hat sich der sympathische Funktionär wacker geschlagen. Allzu harsches Vokabular vermied Baublies. Sogar als alle Tarifverhandlungen ergebnislos abgebrochen wurden, blieb Baublies betont sachlich, sprach von einem "tragischen Scheitern". Baublies weiß, wie sehr er in den kommenden Wochen unter Beobachtung steht. Ein Streik bei einer Airline sorgt immer für Zündstoff, für Frust bei den Fluggästen.

Doch Baublies spricht für eine Berufsgruppe, die mit 1 800 bis 4 000 Euro und bis zu 7 000 Euro bei Führungskräften im allgemeinen Tarifbild der Lufthansa eher moderat verdient. Er spricht aber auch für eine Gruppe, die zuletzt durch interne Querelen auf sich aufmerksam machte. Durch die UFO geht seit längerem ein Riss.

Auf der einen Seite stehen die kompromissbereiten Funktionäre, auf der anderen die Hardliner, die nicht nachgeben wollen. Etwa beim Thema Leihstewardessen. Lufthansa setzt sie seit kurzem ein. Wochenlang verhandelte die UFO mit Lufthansa darüber, am Ende scheiterte jeder Vorschlag am Widerstand der Hardliner. Doch dann kam Baublies. Er setzte sich in den Wahlen durch, ein Kandidat, der für Vermittlung, für Moderation steht. "Baublies wird ganz selten laut in Gesprächen, selbst wenn es um ihn herum lauter werden sollte", sagt ein Wegbegleiter.

Erst seit fünf Monaten steht der 39-Jährige an der Gewerkschaftsspitze. Doch ein Anfänger in Sachen Tarifverhandlungen ist er nicht. Seit 2008 sitzt er in der Tarifkommission von Lufthansa. Von dort kennt er auch seine Verhandlungspartner. Etwa Peter Gerber, den Personalchef des Lufthansa-Passagiergeschäfts. Er schätze Gerber sehr, sagt Baublies freimütig. Dass er Gerber und dessen Vorstandskollegen mit der Strategie, die Streikorte erst kurz vorher bekanntzugeben, ärgert, gehört für Baublies dazu. "Wir hätten diesen Streik gerne vermieden", sagt er.

Es ist diese geschickte Mischung aus Härte und Entgegenkommen, die Baublies auszeichnet. Gelernt hat der Kabinenchef das so gefragte Fingerspitzengefühl nicht zuletzt an Bord. Inzwischen führt er die Kabinencrew über den Wolken, bildet selbst aus. Er weiß, dass Flugbegleiter weit mehr sind als "fliegende Kellner". Sie sind Psychologen und Betreuer - wenn sie ihren Job ernst nehmen. Und genau das macht Baublies, gerade wenn es um die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen geht.

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8 Kommentare zu "Nicoley Baublies: Der besonnene Kämpfer der Ufo"

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  • Guten Tag,

    natürlich hat jeder das Recht auf Streik. Das eine kleine Minderheit nach zwei Streiktagen immer noch meint "einen drauf setzten" zu müssen, finde ich schon daneben.

    Als ich den Brief den die UFO auf ihrer Website an die Kunden geschrieben hat, wurde ich schon sauer. Da wird ja so getan als ob der Beruf der härteste von allen wären. Wenn die Mitarbeiter nach 11 Stunden Arbeit nicht mehr wissen welche Türen sie bei einem Notfall öffnen müssen, sollten sie schnellstens den Job wechseln. Ein Feuerwehrmann muss nach 24 Stunden Dienst noch fit sein um Leben retten zu können.

    Auch sollte hier mal angesprochen werden, dass die Ausbildung mal gerade ein paar Wochen dauert. Was erwarten die. Kurze Ausbildung, dann aber auch gleich 3000 netto. Ich verstehe das nicht.

  • H. Fischer
    Als ehemaliger Flugbegleiter sollte der - alles andere als sympathisch wirkende - Baublies wissen, dass zum Grundgehalt auch Spesen und Schichtzulagen sowie nicht unerhebliche Vergünstigungen gehören! Von so einem Gehalt kann ich als jetzt verbeamtete Lehrerin nach langjährigem Studium nur träumen! Das Verhalten meiner ehemaligen Kollegen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen - für uns galt damals noch der Kodex "Corporate Identity" !

  • Die allzu moderaten Gehälter für einen "Anlernjob" kann ich nur bedauern. Mein Mann verdient als Führungskraft im Stationsbereich, verantwortlich für 350 Mitarbeiter,auch nur sehr moderate 6.500,-- Euro/Monat plus variabler Einmalzahlung. Diese ist auch teilweise vom Unternehmenserfolg abhängig, wird also im nächsten Jahr deutlich geringer ausfallen.

    Dazu kommt, dass die Mehrheit der Flugbegleiter unter 3 Jahren im Unternehmen verbleibt. Vielen Dank, dass diese den übrigen langjährigen Mitarbeitern die Grundlagen entziehen.

  • @ Ferdinand
    Haben Sie sich schon mal über den Tellerrand hinaus informiert über die "garnicht so schlechten" Gehälter ? Dann würden Sie nämlich über ein deutlich besseres Wissen verfügen und sich dazu nicht so äußern. Natürlich bedeutet dieser Streik deutliche Einschnitte in unserer Mobilität, aber ich denke, es gibt andere Arbeitnehmer und deren Gewerkschaften, die uns schon deutlich öfter "behindert" haben mit Streiks.

  • Diese Sparten-Gewerkschaften sind eine elende Plage und sollten gesetzlich verboten werden. Sie schädigen die
    Arbeitgeber und die "richtigen" Gewerkschaften.
    Einer Firma sollte eine Gewerkschaft gegenüberstehen.
    Was passiert, wenn der Steward Streik beendet ist und die
    Cockpit Sparte anfängt? Die Putzfrauen werden morgen
    durch ... ersetzt.(das Wort gibt es nicht, denn als Deutscher weiss ich, dass Leihe kostenlos ist)
    Eben die Kleinsten, die aber Macht haben, betrügen ihre Kollegen, die genauso ihre Arbeit verrichten, aber den
    Betrieb nicht lahm legen können.

  • Schlecht sind die Gehälter eigentlich nicht. Die Arbeitsbedingungen eigentlich auch nicht. Natürlich, mehr ist immer besser als weniger. Aber dafür die Airline bei den Kunden noch unbeliebter machen? Die Servicereduzierung haben wir akzeptiert, essen und trinken können wir auch am Zielort. Aber pünktlich und sicher ankommen wollen wir wenigsten! In diesem Sinne erweisen Sie Ihrem Arbeitgeber und Ihren Mitglieder gerade einen Bärendiest, Herr Baublies !

  • Sie sind ja mit ihrem Beitrag voll daneben!!

  • BThug ( ich finde das kellner im flugzeug genug verdienen. jede kellnerin wäre froh bei so einem gehald.

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