Niederländische Finanzaufsicht
Der eiserne Hans

Sein Ruf eilt ihm voraus: In Politikerkreisen wird Johannes Hoogervorst, Chef der niederländischen Finanzaufsicht, als "kleiner Napoleon" bezeichnet. Der 52-Jährige gilt als undiplomatisch und durchsetzungsfähig. Jetzt hat er mit einem der Großen der Finanzbranche angelegt - dem Finanzkonzern Fortis.

BRÜSSEL. Die Angelegenheit ist ernst, aber Hans Hoogervorst ist sowieso kein Spaßvogel und auch den Aktionäre des belgisch-niederländischen Finanzkonzerns Fortis ist das Lachen längst vergangen. Für sie nimmt Hollands oberster Finanzaufseher das Unternehmen derzeit genau unter die Lupe.

Die Anleger sind erbost darüber, dass der Konzern stets beteuert hatte, seine Finanzen seien solide und dann völlig überraschend Ende Juni Dividendenkürzungen und eine Kapitalerhöhung von mehr als acht Mrd. Euro angekündigt hatte. Die Aktie war daraufhin ins Bodenlose gefallen und Vorstandschef Jean-Paul Votron musste gehen. Auch der Stuhl von Fortis-Finanzchef Gilbert Mittler wackelt, berichten niederländische Zeitungen. Fortis kämpft im Zuge der Finanzkrise mit hohen Abschreibungen und braucht zudem Geld, um die Teile, die es für rund 24 Mrd. Euro vom Rivalen ABN Amro gekauft hat zu integrieren.

„Es gibt noch keinen konkreten Verdacht. Aber die Kapitalerhöhung kam sehr überraschend für die Anleger. Das müssen wir uns genauer anschauen“ hatte Hoogervorst Ende Juni gesagt, als er mit seinen Ermittlungen begann. Seitdem übt er sich in Diskretion.

Aber genau zuhören wird er, wenn der neue Vorstand heute die Zahlen vorlegt. Und wenn er etwas findet, dass sein Misstrauen erregt, dann wird Hoogervorst mit genau der gleichen Genauigkeit und Härte vorgehen wird wie schon in seinen vorherigen Jobs.

Auf seinem Weg nach Oben hat sich der 52-Jährige nicht nur Freunde gemacht. „Diplomatie ist Hans fremd“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter über ihn.

Trotzdem gilt er als einer der fähigsten Männer in Den Haag, eine Art Allzweckwaffe. „Den kleinen Napoleon“, nennt man in fast liebevoll und mit viel Respekt in den niederländischen Politikerkreisen. Hoogervorst, der Geschichte und Internationale Politik in Amsterdam und Washington studiert hat, gilt als sehr liberal und nicht gerade als Spaßvogel. „Schau nicht so ernst, sonst wirst Du noch Finanzminister“, soll sein Parteikollege Gerrit Zalm einmal zu ihm gesagt haben, kurz bevor Hoogervorst tatsächlich unter dem Christdemokraten Jan Peter Balkenende 2002 in genau dieses Amt berufen wurde. Aber schon ein knappes Jahr später wechselte er den Posten und boxte als Gesundheitsminister die umstrittene Gesundheitsreform mit einem Pflicht-Fonds für alle durch, weil das bisherige System unbezahlbar wurde. Dann managte er den Wahlkampf des als unscheinbar geltenden Chef der holländischen Liberalen, der es bis zum Staatssekretär brachte.

Hoogervorst, selber Mitglied der Liberalen, hat auch in seinem jetzigen Amt Großes vor: Die Finanzaufsicht will er entbürokratisieren und sichtbarer mach in der Öffentlichkeit. „Hans hasst es, sich in Details zu verlieren. Er hat sein Ziel immer klar vor Augen“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Finanzministerium. Und dem Finanzkonzern Fortis kräftig auf die Finger zu klopfen ist da ein erster Schritt.

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