Niemals war der Hersteller näher am Kunden
Werbung nach dem Schneeballprinzip

Mundpropaganda liegt im Trend. Damit bringen so genannte Buzz-Agenten in den USA neue Produkte geschickt an die Kunden - und erzielen ungeahnte Marketingerfolge.

LOS ANGELES. Die Marketingchefs von Kayem Foods waren ratlos. „Um unsere neue Wurst Al Fresco dem Verbraucher schmackhaft zu machen, schien kein Werbekonzept so richtig zu greifen“, erinnert sich ein ehemaliger US-Produktmanager an lange verzweifelte Sitzungen im vergangenen Jahr.

Die Lösung des Problems sollte in Gestalt einiger unerfahrener, sehr junger und sehr hipper Konsumenten kommen. Sie nennen sich die Buzz-Agenten und verkörpern eine neuartige Marketing-Spezialeinheit: eine Armee von rund 60 000 Freiwilligen, die für die Firma BzzAgent aus Boston ausschwärmt (buzz). Die Agentur mit der summenden Biene als Logo will durch Mundpropaganda Aufmerksamkeit für bestimmte Marken schaffen.

Und so machten sich die Agenten für die Al Fresco-Würstchen ans Werk: Sie organisierten Grillfeste, priesen die neue Wunderwurst in Supermärkten und Grillstuben, erzählten Freunden davon, fragten nach der Wurst an Kiosken. „Wir sind wie eine Lawine. Kommen wir erst einmal ins Rollen, sind wir nicht zu stoppen“, schwärmt die Agentin Rachel.

Das erstaunliche Ergebnis: Die Verkaufszahlen für Al Fresco-Würste schossen in die Höhe, der Umsatz stieg unmittelbar nach der Kampagne um 1,2 Millionen Dollar. Matt Monkiewicz, zuständig für das operative Geschäft bei Kayem Foods: „Wir waren sehr erstaunt, wie gut diese – zugegeben unorthodoxe – Methode funktionierte.“

Mundpropaganda liegt im Trend. Immer mehr Unternehmen heuern solche Marketingrebellen an. Erprobte Konzepte werden damit gleich reihenweise über den Haufen geworfen, PR-Strategien praktisch über Nacht aus dem Boden gestampft. „Wir haben das Konzept, wie ein Produkt dem Kunden näher gebracht werden kann, völlig neu erfunden“, brüstet sich Dave Balter, Chef von BzzAgent. Im Schnitt erreicht die Agentur einen Erfolgsquotienten von 1:15, berichtet die „New York Times“. Was das bedeutet, erläutert Balter: „Jeder unser Mitarbeiter überzeugt in der Regel 15 weitere Verbraucher, die das neue Produkt in einer Art Schnellballverfahren weiter verbreiten.“

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