Niki Lauda startet Billig-Autovermieter in Deutschland
Der Überlebenskünstler mit der roten Kappe

Den Mann mit der roten Kappe bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Niki Lauda sitzt allein auf dem Podium in München. „Auf geht’s“, sagt der 55-Jährige. Routiniert spult der Ex-Rennfahrer und Unternehmer seinen PR-Text herunter, beantwortet Fragen. Der bekannteste Österreicher wirbt für sein neues Billig-Mietwagen-Projekt, das jetzt auch in München startet.

DÜSSELDORF. Ab dem heutigen Donnerstag kann jeder für einen Euro im Internet einen Smart für einen Tag mieten, der mit Werbung bedruckt ist. Dafür müssen die Werbepartner 1 300 Euro für 30 Tage hinlegen. „Das von uns entwickelte Geschäftsmodell ist simpel“, räumt Lauda ein. Er sieht es denn eher als eines der rollende Litfaßsäulen denn als Vorstoß auf den Markt für Billig-Autovermieter.

Angst vor Nachahmern hat er nicht: „Man kann alles kopieren“, sagt Lauda regungslos. Dass seine Idee nicht neu ist, übergeht er elegant. Bereits vor zwei Jahren startete die Werbeagentur Maxhopp in Hamburg und Berlin mit dem gleichen Modell, befindet sich aber in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

In Österreich, wo das Projekt seit einem Jahr läuft, rechnet sich das Geschäft für Lauda wohl. Die Rendite vor Steuern liegt nach eigenen Angaben zwischen 15 und 20 Prozent. Mit 140 Fahrzeugen erwartet er in Österreich dieses Jahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Das ist auch die Ziellinie für das deutsche Geschäft im kommenden Jahr. „Ich bin vom Erfolg überzeugt, aber wir überstürzen nichts“, betont Lauda. Erst wenn München funktioniere, werde sich „LaudaMotion“ – so der Firmenname – weiter nach Norden wagen. 51 Prozent der Firmenanteile gehören ihm, 49 einem Partner.

Niki Lauda vertraut wie immer der Bekanntheit seines Namens und seinem Verkaufstalent. Die rote Kappe ist sein weltbekanntes Markenzeichen, auch wenn er den Schriftzug Parmalat gegen Viessmann getauscht hat. Lauda verdeckt mit seiner Kopfbedeckung die Spuren seines schweren Unfalls auf dem Nürburgring vor fast 30 Jahren.

Lauda ist vor allem ein Überlebenskünstler als Rennfahrer und als Unternehmer. Schon wenige Wochen nach seinem Unfall fuhr er wieder Rennen und wurde ein Jahr später noch einmal Formel-1-Weltmeister. 1979 steigt er mit der legendären Begründung, nicht mehr nur im Kreis fahren zu wollen, aus dem Rennsport aus und gründet eine eigene Fluglinie, bei der er selbst im Cockpit sitzt. Als Lauda Air in finanzielle Schwierigkeiten gerät, schafft er 1982 ein Comeback in der Formel 1. Zwei Jahre später wird er zum dritten Mal Weltmeister. Danach widmet er sich seiner Fluglinie, steigt sogar in die Touristik ein.

Vor vier Jahren dann das Aus. Er muss seine Anteile an der angeschlagenen Fluggesellschaft an den Erzrivalen Austrian Airlines verkaufen und sich verpflichten, bis Jahresende 2003 dem Fluggeschäft fernzubleiben. Gleich nach Ablauf der Frist steigt er wieder ein und versucht sich unter dem Namen Niki mit dem Partner Air Berlin im Markt der Billiglinien.

„Ideen habe ich genug“, sagt Lauda und kann sich eine Verknüpfung von Billig-Fluglinie und -Mietwagen vorstellen. Bei dem Mann mit der roten Kappe ist nichts auszuschließen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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