Nikolaus von Bomhard
Ein Felsen in der stürmischen Brandung

Ein Problem folgt dem anderen: Bei Ergo-Mutter Munich Re sind die Zeiten turbulent. Doch Vorstandschef Nikolaus von Bomhard steuert den Konzern mit ruhiger Hand durch die Katastrophen und Skandale.
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MünchenSchon in der Finanzkrise bewahrten die altehrwürdige Munich Re und ihre Top-Manager Ruhe. Nikolaus von Bomhard führte den Konzern mit einem konsequenten Risikomanagement durch die turbulenten Zeiten. Im Herbst 2008 zog er zufrieden Bilanz: „Unsere Reputation war noch nie so gut wie jetzt. Wir haben einen Ruf wie Donnerhall.“

Natürlich, ergänzte von Bomhard, der bescheidene Mittelfranke, dürfe man sich „auf den Lorbeeren“ nicht ausruhen. Schließlich kennt der Manager mit dem lichten Haarkranz und der runden Brille das Geschäft mit dem Risiko – es lauert auch da, wo man es nicht unbedingt erwartet.

Die großen Herausforderungen, die drei Jahre später auf ihn warten würden, konnte er damals wohl nicht erahnen. In dieser Woche wollen von Bomhard und das Unternehmen eine Zwischenbilanz dieses „annus horribilis“ 2011 ziehen. Zunächst berichtet die Erstversicherungstochter Ergo übermorgen über die Untersuchungen der in den vergangenen Wochen bekanntgewordenen Skandale. Einen Tag später legt von Bomhard die Halbjahreszahlen vor. Der 55-Jährige weiß, dass diesmal die Fragen kritischer ausfallen.

Das schwierige Jahr 2011, es ging los mit Erdbeben und Überschwemmungen in Australien und Neuseeland. 2,5 Milliarden Euro kosteten die und bescherten dem weltgrößten Rückversicherer den ersten Quartalsverlust seit acht Jahren. Die Erdbebenkatastrophe von Japan machte endgültig alle Gewinnplanungen zunichte. Dann ging der Ergo-Ärger los: Erst wurde der Sexskandal von Budapest bekannt, dann die zu teuer berechneten Riester-Verträge. Außerdem wurde nun auch noch ein Betrugsfall bei der Munich Re öffentlich. Ein externer Dienstleister aus Südeuropa soll mit manipulierten Angaben mehr als zehn Millionen Euro erschwindelt haben. Der Konzern selbst deckte den Fall auf und erstattete Anzeige.

Der integre von Bomhard, der Besucher gern persönlich am Eingang empfängt und öfter mit dem Rad zur Arbeit fährt, ist in dieser schwierigen Phase unumstritten. Einst als Trainee bei der Munich Re gestartet, kennt er alle Ecken des Konzerns. „Er ist der richtige Mann, um das aufzuklären und die richtigen Konsequenzen zu ziehen“, sagt ein Munich-Re-Aufsichtsrat. Bei den Ergo-Themen verfolgt der Adelsspross die Strategie: Wo klar etwas falsch gelaufen ist – wie bei der Budapest-Reise und den Riester-Verträgen –, sollen klare Konsequenzen gezogen werden.

Doch von Bomhard wehrt sich auch dagegen, dass alle möglichen Vorfälle und Geschichten skandalisiert werden. Andere hätten sich wohl schon von Ergo-Chef Torsten Oletzky oder sogar vom Standbein Erstversicherung – das nie ganz unumstritten war – getrennt. Doch in stürmischer See den Kurs zu wechseln kommt für den Prinzipientreuen nicht infrage.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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