Noch mehr frisches Geld nötig
Michael Kemmer: Der Wackelkandidat der Bayern LB

Der Chef der Bayerischen Landesbank, Michael Kemmer, bangt erneut um seinen Job. Die Eigentümer beraten über die Zukunft von Bank und Manager. Eine Entscheidung will der Verwaltungsrat spätestens am Wochenende treffen.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Auf die Bank-Chefs wird derzeit von allen Seiten eingeprügelt. Doch was für ein magischer Moment war da Michael Kemmer an jenem 23. Oktober vergönnt. Der Verwaltungsrat der BayernLB sollte auf Druck des neuen Ministerpräsidenten Horst Seehofer die Ablösung Kemmers beschließen. Doch Hunderte von Mitarbeitern versammelten sich im Innenhof und riefen „Wir wollen Kemmer“. Der hochgewachsene Manager ließ sich nicht lange bitten, kam wie ein Volkstribun in den Hof und rief bewegt durchs Megaphon: „Mit diesem Team wird es die Bank schaffen.“

Doch das war einmal. Fünf Wochen später ist Kemmer unten angelangt. Seine Bank braucht noch mehr frisches Geld und sein Job ist nicht sicherer geworden. Am Donnerstag berieten die Eigentümer über die Zukunft von Bank und Banker, am Wochenende will der Verwaltungsrat entscheiden. Und Kemmer durchlebe derzeit eine „sehr angespannte Situation, die ihn bis zum letzten fordert“, heißt es in der Brienner Straße. Er betreibe Raubbau an seinem Körper, arbeite von sieben Uhr morgens bis spät in die Nacht, um das neue Geschäftsmodell mit dem Schwerpunkt auf „echtem Kundengeschäft“ bis in die Details durchzuplanen – und sich gegen Seehofer zu wehren.

Der hatte beim gescheiterten Sturz von Kemmer seine erste schwere Niederlage als CSU-Chef und Ministerpräsident einstecken müssen. Die Sparkassen setzten durch, dass Kemmer bleiben durfte. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Seehofer hat mit Kemmer noch eine Rechnung offen“, heißt es in der Politik. Auch im Umfeld der Bank geht man davon aus, dass Kemmer nur noch für eine Übergangszeit an der Spitze stehen wird. „Das weiß er auch“, sagen Insider.

Kemmer ist im Lager der Landesbanken kein Einzelfall. Auch Siegfried Jaschinski, Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), durchlebt schwere Zeiten. Das einstige Vorzeigeinstitut der öffentlich-rechtlichen Banken ist in die Verlustzone gerutscht, der Spitzenposten steht aber derzeit nicht zur Disposition – auch mangels Alternativen in den eigenen Reihen .

Alle Banken machen ein brutal schweres, viertes Quartal durch. Kein Wunder, dass der Kapitalbedarf der BayernLB nochmals gestiegen ist. Dennoch ist der Vorgang nicht ohne Pikanterie. Schließlich war Seehofer auf Kemmer vor allem deshalb sauer, weil ihn die Ankündigung einer nötigen Kapitalspritze von 6,4 Mrd. Euro vollkommen überraschte. Bisher hatte Kemmer den Eindruck erweckt, der Bedarf sei niedriger. Seehofer schäumte.

Allein, was vor fünf Wochen galt, gilt heute noch immer: Ein Nachfolger für Kemmer wird in der Krise für den Job im Minenfeld zwischen Politik- und Sparkassen-Funktionären schwer zu finden sein. Seine Kompetenz ist unumstritten. Und Verursacher der Misere ist er wohl auch nicht. Erst 2006 heuerte er als Finanzvorstand bei der BayernLB an. Die meisten riskanten Geschäfte waren da schon gemacht. Schuldlos ist er aber auch nicht, denn zum Gegensteuern wäre noch Zeit gewesen. Aber Kemmer sei „ein ständig Lernender“, sagen seine Fans in der Bank. Wenn seine Zeit bei der BayernLB jetzt ablaufen sollte, dann wird er zumindest viel dazu gelernt haben.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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