Noch mehr Kosten befürchtet
Bitte nicht noch mehr Rechtschreib-Chaos

Die Unternehmen wollen bei der Rechtschreibreform bleiben. Eine Handelsblatt-Umfrage blegt, dass mehr als 70 Prozent der Unternehmen die Rücknahme der Rechtschreibreform ablehnen. Ganz anders als die Bevölkerung

Die Kommentare aus der Wirtschaft fielen harsch aus: „Andere Länder begleiten die Diskussion um die Rechtschreibung belustigt und kopfschüttelnd zugleich“, urteilt Markus Frey, Sprecher der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte AG in Kirkel in der Pfalz. Und: Die „Kampagne der Zeitungsverlage gegen die Rechtschreibreform ist zutiefst reaktionär“.

Auch aus anderen Unternehmen kommt deutliche Kritik: „Einige selbst ernannte Sprachpäpste machen sich mit Unbedeutendem wichtig“, wettert man bei einem Verkehrsunternehmen in Sachsen-Anhalt. Der Tenor der Handelsblatt-Umfrage unter den 1 500 größten Unternehmen in Deutschland war eindeutig: 71 Prozent der Befragten lehnen die Rücknahme der Rechtschreibreform ab. Die Antwortquote lag bei 20 Prozent. Das Ergebnis: 70 Prozent der Unternehmen haben die Rechtschreibreform bereits umgesetzt – auch wenn sie erst im August 2005 verbindlich wird.

Die Motive im Einzelnen: Viele der Befragten fürchten, dass erneut Kosten entstünden, wenn es zu einer Rolle rückwärts käme. Zu ihnen gehören zum Beispiel der Versicherer Axa aus Köln, die Stadtsparkasse München oder die LVM Versicherungen aus Münster. Diese Ausgaben lassen sich freilich kaum quantifizieren, bedauert etwa die L-Bank aus Karlsruhe. Die Umstellung auf neue Schreibweisen erfolgte bei ihnen peu à peu – immer wenn ein neues IT-Update oder eine neue Broschüre fällig wurde. Zumindest im Nachhinein konnten manche Unternehmen jetzt angeben, was sie die Rechtschreibreform seit 1998 gekostet hat. Ein IT-Dienstleister bezifferte die Summe mit über einer Million Euro.

Was jedoch viel stärker ins Gewicht fällt als die Kosten, die man in Euro ausdrücken kann, ist die Verwirrung. Wolfgang Franke, Kommunikationschef der Techem AG aus Eschborn bei Frankfurt, schwant: „Mit Zickzackkursen würden wir nur die Betroffenen verunsichern – so wie es heute leider in vielen Bereichen tagtäglich geschieht.“ Auch seine Kollegin Arantxa Dörrie vom Baumaschinenhändler Zeppelin in Garching bei München: „Das würde noch mehr Chaos verursachen als bislang.“ Auch bei Airbus Deutschland in Hamburg heißt es: bloß „keine Doppelaktivitäten“.

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