NOL
„Jein“ zur Fusion mit Hapag-Lloyd

Bis vor wenigen Wochen wussten allenfalls Branchenkenner, was aus Thomas Held geworden ist. Und zwar, dass der ehemalige Vorstandschef des Logistikriesen Schenker im Fernen Osten Karriere gemacht hat. Doch seitdem die Containerschiffsreederei Neptune Orient Lines (NOL) in Singapur als Fusionskandidat für die Hamburger Tui-Tochter Hapag-Lloyd gehandelt wird, weiß auch die deutsche Wirtschaftswelt, dass Thomas Held die NOL führt.

DÜSSELDORF. Nicht zuletzt ist es seine Person, sein Werdegang, der die Spekulationen über ein Zusammengehen der Containerschiffsflotten beflügelt. Ein Rückblick: Als Held im Jahr 2003 Vorstandsvorsitzender der Schenker AG in Essen wird, ist beim Mutterkonzern Deutsche Bahn Tui-Chef Michael Frenzel Aufsichtsratsvorsitzender. Damals lernen sie sich nicht nur kennen, sondern vielleicht auch schätzen.

Allerdings können sich Wegbegleiter nicht vorstellen, dass der Familienvater und Fußballfan, der auch schon Marathon gelaufen ist, allein aus alter Gemeinsamkeit dem Tui-Chef bei der Lösung seiner Probleme helfen will.

Von ehemaligen Mitarbeitern wie externen Beobachtern wird der promovierte Volks- und Betriebswirt als zahlengetriebener, analytischer Mensch beschrieben. Und der werde – so hieß es – sich längst nüchtern ausgerechnet haben, dass die glänzend aufgestellte NOL, die zum singapurischen Staatsfonds Temasek gehört, für ein Zusammengehen mit Hapag-Lloyd kaum strategische oder finanzielle Gründe hat.

Von Held selbst ist dazu nur ein klares „Jein“ zu hören. NOL wolle bei der Konsolidierung der Containerschiffsbranche eine aktive Rolle spielen, sagte er in Singapur. Zu den Spekulationen um Hapag-Lloyd sagte er nichts, machte aber deutlich, dass es am Mergers -&-Acquisitions-Markt immer wieder neue attraktive Möglichkeiten für sein Haus gebe.

Der Abgang Helds bei der Bahn Ende Januar 2006 war nicht gerade konfliktfrei. Seit 1997, als ihn der damalige Schenker-Chef Bernd Malmström von Robert Bosch als Finanzvorstand in den Konzern geholt hatte, galt er als Verfechter der klaren Abgrenzung zwischen der weltweit zu Land, zu Wasser und in der Luft operierenden Schenker-Gruppe und dem klassischen Bahn-Geschäft.

Damit aber passte er nicht mehr in das Konzept von Bahnchef Hartmut Mehdorn, der aus dem Noch-Staatskonzern einen internationalen Mobilitätsdienstleister formen will. Schenker wurde zur Sparte im Konzern degradiert, geführt von Mehdorn-Freund Norbert Bensel. Für einen Schenker-Vorstandschef gab es in der Organisation keinen Platz mehr.

Dass Held im „freundschaftlichen Einvernehmen“ ausschied, wie es damals hieß, wird in der Branche heute noch immer bezweifelt.

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