Non-Profit-Sektor
Was Spender und Mäzene zur guten Tat treibt

Wohltäter, ob Unternehmen oder Stifter, sind im Zwiespalt zwischen Rechenschaftspflicht und sinnvollem Tun. Ein neues Buch beleuchtet Macht und Ineffizienz des Non-Profit-Sektors. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut: Bisweilen scheitert der Autor an der Vielfalt des Themas.
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BERLIN. Gutes tun ist in und boomt. Seit einigen Jahrzehnten scheint der gemeinnützige Sektor förmlich zu explodieren. Die Zahl der privatrechtlichen Stiftungsgründungen in Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verfünffacht. Mittlerweile gibt es mehr als 16 000 davon, darunter Giganten mit einem Vermögen von über fünf Mrd. Euro, aber auch Zwerge mit einigen Hunderttausend Euro Kapital. Immer mehr Unternehmen gründen ganze Abteilungen für „Corporate Social Responsibility“ und statten sie mit Millionenbudgets aus. Eigens geschaffene Studiengänge spucken rundum ausgebildete Non-Profit-Manager aus. Hochspezialisierte Berater helfen den Wohltätern beim Wohltun und verdienen gutes Geld damit.

Wie das? Woher kommt dieses Wachstum? Und wie weit ist es mit dem Anspruch her, die Welt mit dem vielen Geld tatsächlich besser zu machen? Diese Fragen stellt der Journalist Robert Jacobi in seinem Buch „Die Goodwill-Gesellschaft“. Das allein verdient Respekt. Denn der Non-Profit-Sektor hat nicht nur wegen seiner Wachstumsraten alle Aufmerksamkeit verdient, die er bekommen kann.

Was die Stiftungen genau tun, wie sie ihr Geld ausgeben und welche Effizienzmaßstäbe sie anlegen, das ist in Deutschland immer noch eines der bestgehüteten Geheimnisse. Das statistische Material ist karg. Über Geld und gute Werke spricht man nicht gern, jedenfalls nicht öffentlich. Und mancher Stifter mag auch glauben, was er mit seinem Geld macht, gehe niemanden etwas an. Das allerdings ist ein Irrtum.

Denn auch das ist eine Folge des Non-Profit-Booms: Gemeinnützigkeit schützt nicht länger vor skeptischer Neugier, im Gegenteil. Zum einen sind gemeinnützigen Organisationen steuerprivilegiert, und das begründet eine Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit. Zum anderen müssen sie, gerade wenn sie viel bewegen können und über einen gewaltigen finanziellen Hebel verfügen, um die Gesellschaft zu verändern, sich fragen lassen: mit welchem Recht?

Jacobi hat mit Dutzenden von Stiftern, Hilfsorganisationen und Experten gesprochen. Mit Arend Oetker beispielsweise, dem Präsidenten des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Oder mit den SAP-Mitgründern Dietmar Hopp und Klaus Tschira, jeweils Gründer und Namensgeber milliardenschwerer Stiftungen. Auch im Ausland hat sich Jacobi umgesehen, vor allem in den USA, wo der Philantrophy-Sektor viel ausgeprägter ist.

Überall stieß er auf den gleichen Befund: Stiften ist schwierig. Auch die lautersten Motive helfen bei der Auswahl der richtigen Projekte, bei der Definition der richtigen Erfolgsmaßstäbe und bei der effizienten Umsetzung nur begrenzt. Und auch der edelmütigste Wohltäter bekommt ein handfestes Legitimationsproblem, wenn er es in seiner Organisation an Transparenz fehlen lässt.

Jacobi prägt für all diese Schwierigkeiten den etwas pompösen Sammelbegriff „Goodwill-Dilemma“. Ein besonders eklatantes Beispiel ist die Stiftung des Ehepaars Bill und Melinda Gates, vom Microsoft-Gründer mit dem unfassbaren Betrag von 30 Mrd. Dollar und vom legendären Investor Warren Buffett noch einmal mit der gleichen Summe ausgestattet. Die Stiftung hat jährlich drei Mrd. Dollar zur Verfügung. So viel Geld jedes Jahr sinnvoll auszugeben ist allein schon eine Herausforderung. 800 Millionen fließen in gesundheitspolitische Programme, vor allem in den Kampf gegen Aids und Malaria. Die Weltgesundheitsorganisation der Uno hat kaum mehr Geld.

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