Nonnenmacher
Geheimdienst-Methoden setzten HSH-Chef unter Druck

Dirk Jens Nonnenmacher zieht den Unmut von Hamburg und Schleswig-Holstein auf sich, die den Hauptanteil an der Bank halten. Jetzt droht es für ihn eng zu werden. Stolperstein könnte eine geheimdienstähnliche Beschaffung von Informationen sein.
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BERLIN. Bei Vorstellung der Halbjahreszahlen Ende August demonstrierte HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher noch Zuversicht. "Ich bin mir sicher, dass ich das uneingeschränkte Vertrauen des gesamten Aufsichtsrats habe", sagte er selbstbewusst. Heute würde er das vielleicht anders formulieren. Denn bei den Anteilseignern - die Mehrheit an der Landesbank halten Hamburg und Schleswig-Holstein - macht sich zunehmend Unmut breit.

Gestern präsentierte der Aufsichtsrat unter Hilmar Kopper das Ergebnis eines Berichts der Anwaltskanzlei Wilmer Hale. Dabei ging es um die Rolle Nonnenmachers im Fall Frank Roth. Von dem Vorstandsmitglied hatte sich die Bank im April 2009 wegen angeblichen Geheimnisverrats getrennt.

Auch wenn Vorwürfe gegen Roth teilweise bestätigt wurden, fällt der Bericht aus Sicht der Anteilseigner zwiespältig aus. Denn die Kanzlei hält es für möglich, dass einzelne Verdachtspunkte gegen Roth konstruiert wurden. "Einige Ungereimtheiten konnten auch durch die intensive Arbeit von Wilmer Hale nicht endgültig geklärt werden", so der Aufsichtsrat, der trotzdem kein schuldhaftes Verhalten bei Mitarbeitern und Nonnenmacher feststellen konnte. Die Länder als Haupteigner wollen sich damit nicht zufriedengeben.

Kopper sah sich im August gezwungen, die Kanzlei Wilmer Hale einzuschalten. Diese sollte Hinweise prüfen, ob Roth fingierte Beweise untergeschoben wurden, um eine Trennung zu provozieren. Die Abberufung Roths sei "inhaltlich und formal" nicht zu beanstanden gewesen, sagte Nonnenmacher damals.

An dem HSH-Chef scheiden sich die Geister. Zwar ist es dem 47-jährigen Mathematikprofessor seit 2008 gelungen, die HSH wieder zu stabilisieren. Doch sein öffentliches Ansehen bleibt ramponiert. Jetzt könnte es für ihn eng werden. Denn zusätzlich zu dem Fall Roth verlangt das Wirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein von Nonnenmacher Aufklärung über das sogenannte "Project Silence". Im Auftrag des HSH-Chefs hatte der Sicherheitsdienstleister Prevent AG öffentliche Veranstaltungen verdeckt besucht und Hintergrundgespräche mit Politikern geführt, um die Bank zu schützen. Wirtschaftsminister Jost de Jager will jetzt wissen, welche Veranstaltungen beobachtet wurden und ob dabei bestimmte Mandatsträger unter die Lupe genommen wurden.

In Regierungskreisen wird die geheimdienstähnliche Beschaffung von Informationen als "bemerkenswert" angesehen. Es könnte das Vertrauen zwischen Vorstandschef und Anteilseignern nachhaltig zerrütten. Selbst rechtfertigt die Bank die Einschaltung von Prevent damit, dass im Jahr 2009 die HSH und ihre Mitarbeiter massiv bedroht wurden.

Trotz dieser schweren Vorwürfe droht Nonnenmacher kurzfristig keine Gefahr, denn der Aufsichtsrat tut sich schwer, Ersatz für ihn zu beschaffen. Derzeit hat die Bank nicht einmal einen stellvertretenden Vorstandschef.

Kommentare zu " Nonnenmacher: Geheimdienst-Methoden setzten HSH-Chef unter Druck"

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  • ich glaube, daß wenn Gesellschafter sich nicht um ihr Unternehmen kümmern wie Frau Schickedanz bei Karstadt oder sich nicht kümmern können wie der Steuerzahler bei den Landesbanken, wird das Vermögen schnell zur beute von Vorständen, die sich anscheinend für unantastbar halten.
    ich hoffe nicht, daß die Deutsche bank über Herrn Kopper bei der HSH in irgend einer Form involviert ist(immobilienkrise)

  • "ist dein Ruf erst ruiniert lebst du völlig ungeniert". Dies triff im Geschäfstleben nicht zu. Herr Nonnenmacher wird wohl kurz über lang den Hut nehmen müssen, denn er hat sich als Chef der HSH nicht mit Ruhm bekleckert.

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