Norbert A. Platt machte aus Montblanc eine unterschätzte Luxusmarke
Der Mann vom weißen Stern

Mit der Konzentration auf teure Schreibutensilien führte Norbert A. Platt das Unternehmen Montblanc zur "unterschätzten Luxusmarke". Von Tony Blair über Bill Clinton, Sir Peter Ustinov bis zu George Clooney - alle leisten ihre Unterschriften mit einem dicken Montblanc-Füller.

DÜSSELDORF. Im Flughafen Fuhlsbüttel fällt eine feine Boutique im kathedralen Weltstadtstil auf. In ihr sind die Produkte wie schwarz schimmernde Ikonen arrangiert: Montblanc. Die Schlüsselkarte des Hamburger CityHotels ist vornehm mattschwarz und trägt auf der Rückseite Logo und Schriftzug: Montblanc. Taxifahrer Reinhard Hanschmann zückt vor dem Fahrtziel in Eidelstedt seinen dicken schwarzen Kuli. Erraten: Montblanc. „Der war gerade in der Inspektion. Aber das lohnt sich, das ist Qualität.“

Darüber lächelt Norbert Platt souverän. Auch aus der Westentasche des Geschäftsführers des Hamburger Herstellers hochwertiger Schreibgeräte lugt die weiße Spitze des höchsten europäischen Berges in der modifizierten Form, die in der Firma „Stern“ genannt wird. „Ich wechsle ständig, teste alle Produkte“, sagt Platt. Und das ist dann nicht der erste Test, den die feinen goldenen Federn überstehen müssen.

Platt passt zum Produkt. Er verkörpert das, was man einen feinen Mann nennt, sparsam in Gestik und Mimik, wählerisch mit Worten. Bevor der studierte Maschinenbauer und Diplom-Ingenieur 1987 die Federführung bei Montblanc übernahm, war er 15 Jahre lang beim Kamerahersteller Rollei, davon viele in Asien – das prägt. Von seiner zweiten Frau, einer Chinesin, hat er die Weisheit: „Ziehe die Schuhe aus, wenn du an den Fluss kommst.“ Nicht früher – auch nicht später.

Asiatische Gelassenheit und Geduld waren nötig Ende der 80erJahre, als die Marke unter dem Dach von Dunhill dümpelte und der Betriebsrat, der schon die gelbe Gefahr einer Verlagerung nach Asien witterte, sich selbst beruhigte: „Der Platt ist genauso uninteressant wie die anderen, die bleiben alle nicht lange.“ Er sollte sich irren.

Nicht viel Federlesens machte der Neue mit Billigprodukten. Schreibgeräte unter 150 DM wurden kurzerhand aussortiert. Platt konzentrierte sich auf das Kernprodukt, das Meisterstück – High Touch als Gegentrend zu High Tech.

Mit der für Asiaten typischen Untertreibung bemerkt er: „Wir sind eine unterschätzte Luxusmarke“, freut sich aber gleichzeitig über die Tatsache, dass er die dicksten Füller hat, die „Gorillas unter den Schreibgeräten.“ Mit denen werden jederzeit weltweit hochkarätige Unterschriften geleistet: von Tony Blair und Bill Clinton, Sir Peter Ustinov und George Clooney, Prinz William und Prinzessin Maxima, von den Klitschko-Brüdern, die in der Ukraine auch noch Franchise-Nehmer von Montblanc sind.

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