Norbert Platt wechselt von Montblanc zu Richemont
Eine Perle für den Tiefseetaucher

Warum er? Warum wird Platt neuer Chef von Richemont? An Stelle des 57-jährigen Lenkers der Nobelmarke Montblanc aus Hamburg hatten Analysten eigentlich jemanden aus dem traditionsreichen Uhrengeschäft als neuen Kopf des zweitgrößten Luxuskonzerns der Welt erwartet. Doch Platt wird künftig Richemont führen – sein Vorgänger und Förderer Johann Rupert hat es so gewollt.

HB ZÜRICH. Er bezeichnet Platt als einen der erfahrensten und erfolgreichsten Manager des Konzerns. Tatsache ist, dass Platt schon an der Spitze von Montblanc stand, als es Richemont noch gar nicht gab. 1987 wechselte der gelernte Diplomingenieur vom damals bereits gebeutelten Kamerahersteller Rollei zu den Hamburgern. Montblanc galt als Hersteller höherwertiger Füllfederhalter und Kugelschreiber. Platt baute den Konzern um: Die Schreibgeräte wurden nicht nur aufwendiger, sondern vor allem teurer. Mit geschicktem Marketing sorgte Platt dafür, dass die Kunden mitzogen. Er baute die Produktpalette aus: Manschettenknöpfe, Taschen und Uhren kamen dazu. Platt gelang das Kunststück, die Marke nicht zu verwässern, sondern im gleichen Maße, wie er neue Produkte schuf, auch neue Käufer zu finden. Der Montblanc-Umsatz verdreifachte sich, die Marke wurde nach Cartier zum zweitwichtigsten Teil des Richemont-Konzerns, zu der die Hamburger seit sieben Jahren gehören. Im Gegensatz zu Cartier schaffte es Montblanc, auch in der Luxuskrise der vergangenen Jahre kontinuierlich Erträge beim Mutterkonzern in Genf abzuliefern.

Die Zahlen auf der einen Seite und die Fähigkeit, Gutes zu tun und darüber zu reden, auf der anderen, haben für Platt gesprochen. Der passionierte Tiefseetaucher dürfte damit seine Perle gefunden haben. Der Golfspieler und Kunstsammler muss nun beweisen, dass er im Großen schafft, was ihm im Kleinen gelang. Richemont hat mit Cartier, Montblanc und IWC inzwischen wieder beruhigend viele Trümpfe im Portefeuille. Mit Dunhill und Lancel gibt es aber auch Nieten. Sie sorgen zurzeit dafür, dass Richemont nicht die gleichen Erfolge vorweist wie Rivale LVMH.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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