Nordamerika-Chef
Eine scharfe Speerspitze für EADS in den USA

Er war Soldat in Vietnam, Berater des US-Verteidigungsministeriums und ist in der Welt der US-Rüstungsexperten bestens vernetzt: Kein Wunder, dass Airbus der Durchbruch im Geschäft mit den US-Militärs unter der Fürhrung von Ralph Crosby gelingt. Er ist Chef des Airbus -Konzerns EADS in Nordamerika. Dabei wurde er als solcher zu Beginn seiner Amtszeit nur müde belächelt.

DÜSSELDORF. Ralph Crosby ist seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Als der 60-Jährige im Jahr 2002 die Leitung von EADS -Nordamerika übernahm, wollte er die Rüstungsgeschäfte in den USA ausbauen. Als Speerspitze in den USA wurde der Chef der damals neu strukturierten Nordamerika-Division bezeichnet.

Crosby, dessen Büro zwischen Weißem Haus und Pentagon in Washington liegt, setzt vor allem auf seine gute Vernetzung in den Staaten. Bevor er bei EADS anheuerte, arbeitete der Harvard-Absolvent beim Rüstungskonzerns Northrop -Grumman, dem heutigen EADS -Partner beim Tankflugzeug-Projekt. 2002 verließ er Northrop, nachdem sein Plan zum Aufstieg an die Konzernspitze gescheitert war.

Crosby weiß, dass er die Aufträge des US-Militärs nur gewinnt, wenn er die Interessen der amerikanischen Wirtschaft mit berücksichtigt. Seine Ankündigung aus dem letzten Dezember, EADS überlege einen Teil der Airbus -Produktion in die USA zu verlagern, dürften dem jetzigen Vertragsabschluss jedenfalls nicht geschadet haben.

Wie wichtig für ihn der US-Markt ist, hat Crosby von Beginn an bei EADS betont: "Wir sind hier, weil hier das Geld ist." Seine Konkurrenz freilich verspottete ihn damals: "Der darf doch ohne Erlaubnis aus Paris nicht mal ein Croissant empfehlen", lästerte ein ehemaliger Pentagon-Staatssekretär und Boeing -Lobbyist und empfahl, Crosby "langsam zu zermürben." Dass EADS der Durchbruch auf dem US-Markt für Militärgerät unter der Führung von Crosby gelingt, ist dennoch kein Zufall. Crosby studierte in Westpoint, der Kaderschmiede für US-Offiziere und diente beim Militär, etwa in Vietnam. Später beriet er die Reagan-Regierung. Auch bei EADS hat Crosby zahlreiche Ex-Militärs um sich geschart.

Durch die Übernahme von Firmen wie Racal Defence hat Crosby, der auch in der EADS -Gesamtgeschäftsführung sitzt, den Boden bereitet, um von den Einkäufern des US-Militärs Ernst genommen zu werden. Dass dürfte, wie der Tankflugzeug-Deal zeigt, gelungen sein.

Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen
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