Norwegen
Nordeuropas Tony Blair oder Armani-Sozialist?

Ein wenig übernächtigt sieht er aus. Weg ist das charmante Lächeln, der gütige Blick, die Selbstsicherheit, die ihn sonst so prägt. Kein Wunder nach der Zitterpartie, die Jens Stoltenberg in der Nacht zum Dienstag durchleben musste. Norwegen hatte ein neues Parlament gewählt, dessen Zusammensetzung bis in die frühen Morgenstunden nicht endgültig klar war.

STOCKHOLM. Doch das Wechselbad der Gefühle hat sich gelohnt: Weit nach Mitternacht entspannten sich die Gesichtsmuskeln des 46-Jährigen. „Wir haben ein großartiges Ergebnis erzielt“, strahlte der übernächtigte Parteivorsitzende der norwegischen Sozialdemokraten in sämtliche Kameras. Er hatte Grund zur Freude: Er wird Regierungschef und gibt nicht nur Norwegens Sozialdemokraten Anlass zu neuer Hoffnung.

Der immer jugendlich aussehende Spitzenpolitiker hat das Blatt gewendet, nachdem er in den vergangenen Jahren ein politisches Auf-und-Ab durchleben musste. Als neue politische Hoffnung Ende der 90er Jahre gefeiert, wurde er schon als 41-Jähriger Norwegens jüngster Regierungschef. Von 2000 an regierte er das Land 17 Monate lang. Doch auf den politischen Höhenflug folgte ein jäher Absturz: Bei den Wahlen 2001 erlebten er und seine Sozialdemokraten ein politisches Debakel, als die Partei, die wesentlich den Aufbau des norwegischen Wohlfahrtsstaates geprägt hatte, nicht einmal mehr 25 Prozent der Stimmen erhielt.

Er habe sich seitdem verändert, sagen in seltener Einigkeit Kritiker und Fans des Polit-Profis. Er sei nach links gedriftet, wolle die sowieso nur sehr vorsichtige Privatisierungspolitik wieder bremsen, behaupten die Kritiker. Die Anhänger dagegen loben sein neues Engagement für die Schwächsten der Gesellschaft. Nordeuropas Tony Blair oder ein Armani-Sozialist?

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