Nur 15 Quadratmeter Platz zum Arbeiten: Johannes Becker ist beim 1. FC Köln Begeisterungstäter

Nur 15 Quadratmeter Platz zum Arbeiten
Johannes Becker ist beim 1. FC Köln Begeisterungstäter

Johannes Becker lebt für den 1. FC Köln, seine Brauerei Gaffel Kölsch und die moderne Kunst. Er sammelt Beuys, Boyce, Richter und Sasse, ärgert sich über verpasste Chancen bei Donald Judd - doch auch die lokale Szene liegt ihm am Herzen.

KÖLN. Kunstvoll ist es nicht gerade, was Johannes Becker auf dem Rasen unter sich sieht. „Lauf, Junge, lauf! Nit fummeln!“ ruft Becker verärgert. Es nutzt nichts. Der Kicker Kostas Konstantinidis im Trikot des 1. FC Köln hat den Ball erneut wenig kunstfertig vertändelt. Es läuft die 79. Spielminute, das Heimteam, Beckers Team, liegt mit 0:1 zurück.

Vor Becker auf der Tribüne sitzen mit rot-weißen Schals Friedrich Kunath und Johannes Wohnseifer, FC-Fans und zwei der aufstrebenden Kölner Künstler, die Sammler Becker früh entdeckte. Von hinten rüttelt Becker mit der Linken an Wohnseifers Schulter: „Alles klar bei dir?“ Wohnseifer nickt, lässt aber das Geschehen im Rheinenergie-Stadion zu Köln nicht aus den Augen. In der Hand hält er ein halb volles Glas Gaffel-Kölsch.

Kunst, Kölsch und Fußball – Johannes Becker vereint sie spielend, und das macht den 55-Jährigen zu einem der ungewöhnlicheren Kunstsammler in Deutschland. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Privatbrauerei Gaffel Becker & Co. ist nicht nur ein Ur-Kölner und Mitglied im Verwaltungsrat des Zweitliga-Clubs 1. FC Köln. Seine Sammlung, die er um die Arbeiten des Deutsch-Schweizers Dieter Roth und des Amerikaners Edward Ruscha geschart hat, gehört zu den bedeutenden Privatsammlungen von Gegenwartskunst hier zu Lande.

Und zu den fröhlichsten: Denn der Humor, der ständig Beckers Mund umspielt und aus seinen braunen Augen blitzt, wenn er begeistert von moderner Kunst erzählt, prägt seine Sammlung. Da sind putzige Tierskulpturen des Franzosen Pascal Bernier. Da sind die Unterwelt-Landschaften der Düsseldorferin Mariele Neudecker, die in mächtigen Tanks unter Wasser gesetzt werden. Da ist der Betonfußball der Britin Sarah Lucas, den Becker zu Hause hat – aufgestellt natürlich auf dem Boden, so als läge er auf dem Elfmeterpunkt und von seinem Flug hinge ab, ob der 1. FC Köln endlich wieder in die erste Bundesliga aufsteigt.

„Meine Kunstleidenschaft begann mit Werken von Chagall und Miró, aber an denen hatte ich mich schnell satt gesehen“, erzählt Becker in seinem Büro im Kölner Urviertel Eigelstein, aus dem er die Geschäfte der Gaffel-Brauerei lenkt. In dem kleinen Karree hat Becker kaum Kunst: einige Ewe-Holzfiguren aus Togo – „die sind unglaublich ausdrucksstark, und jede einzelne ist anders“ –, ein Köln-Panorama von Dieter Roth und ein Jasper-Johns-Poster, das ist es schon.

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