O.J. Simpsons Bekenner-Buch
Wenn es erschienen wäre

1995 ging sein Name um die Welt: Der ehemalige Profi-Footballer O.J. Simpson wurde des Mordes an seiner Ex-Frau Nicole und deren Liebhaber Ron Goldman freigesprochen. Nun sorgt der ehemalige Profi-Footballer erneut für Schlagzeilen. In einem Buch will Simpson verraten, wie er seine Frau umgebracht hätte, wenn er der Mörder gewesen wäre. Doch er darf nicht.

DÜSSELDORF. Am Ende musste Rupert Murdoch selbst ran. Der große Lenker des Medienkonzerns News Corp. stoppte höchstpersönlich das derzeit am hitzigsten diskutierte Buchprojekt der USA. "If I did it" von O.J. Simpson.

1995 war sein Name um die Welt gegangen: Der ehemalige Profi-Footballer Simpson wurde des Mordes an seiner Ex-Frau Nicole und deren Liebhaber Ron Goldman freigesprochen - der Prozess war umwabert von Rassismus und Spekulation. Letztendlich glaubten viele Amerikaner: Simpson war der Mörder. In einem privatrechtlichen Prozess wurde er schuldig gesprochen und hätte eigentlich 33,5 Millionen Dollar zahlen müssen. Da aber Pensionsgelder nicht eingezogen werden, kann sich Simpson dank der Rente, die er von der Football-Liga NFL bezieht, weiter einen aufwendigen Lebensstil leisten.

Vor einigen Wochen die Überraschung: Am 27. und 29. November sollte der Fernsehsender Fox, eine News-Corp-Tochter, ein zweiteiliges Interview mit Simpson ausstrahlen. In diesem würde er schildern, so die Ankündigung, wie er seine Ex-Frau umgebracht hätte, wenn er denn der Mörder gewesen wäre. Anschließend sollte beim Verlag Harper Collins, ebenfalls im Murdoch-Besitz, das Buch "If I did it" erscheinen.

Die Empörung war groß, als dies bekannt wurde. Mehrere Kommentatoren von Fox wandten sich, obwohl sie dies den Job hätte kosten können, gegen das Projekt. Einige Buchhändler, darunter die große Kette Borders, erklärten, das Werk nicht verkaufen zu wollen.

Rupert Murdoch soll nach Informationen des "Wall Street Journal" von Anfang an in das Projekt eingeweiht gewesen sein. Er selbst habe mit einigen Top-Managern das Ende von "If I did it" beschlossen. Per Pressemitteilung ließ der Tycoon mitteilen: "Ich und das obere Management stimmen mit der amerikanischen Öffentlichkeit darin überein, dass dies ein unüberlegtes Projekt war. Wir entschuldigen uns für jeden Schmerz, der dies den Familien von Ron Goldman und Nicole Brown-Simpson gebracht hat."

Die Buchszene fragt sich nun: Was wird aus Judith Regan? Die Chefin der Harper-Collins-Tochter Regan Books gilt als einer der Stars, auch als "Enfant terrible der Verlagsbranche" ("Daily Telegraph"). Sie zahlte 3,5 Millionen Dollar für die Rechte am Simpson-Buch.

Die ehemalige Boulevard-Journalistin machte sich Ende der 80er-Jahre einen Namen mit dem Betreuen von Prominenten-Biografien. 1994 bekam sie ihr eigenes Reich bei Harper Collins. Dort finden sich derzeit Werke von Filmemacher Michael Moore ebenso wie die Lebensbeichte von Porno-Darstellerin Jenna Jameson. Derzeit machen die Regan-Bücher 50 Millionen des 1,3-Milliarden-Dollar-Umsatzes von Harper Collins aus.

Angeblich soll Regan einen guten Draht zu Murdoch selbst haben: "Es könnte sein, dass die ganze Sache keine Auswirkung auf sie hat", meint Lorraine Shanley von der Medienberatung Market Partners. Ein hochrangiger Manager von Harper Collins sieht das anders. Er sagte dem "Wall Street Journal": "Ihre skandalösen Bücher waren über Jahre eine Gelddruckmaschine, aber diesmal könnte sie zu weit gegangen sein."

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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