Ob Cirio, Parmalat oder AS Rom: Bei jeder Pleite in Italien fällt der Name des Capitalia-Chefs
Kein Skandal ohne Geronzi

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Vielleicht hat Cesare Geronzi deshalb Antonio Fazio zu zwei netten Ausflügen eingeladen. Als gute Katholiken sind die beiden Herren – der eine Präsident des römischen Kreditinstituts Capitalia, der andere Gouverneur der Zentralbank Banca d’Italia – in die Wallfahrtsorte Lourdes und Santiago de Compostela aufgebrochen.

MAILAND. Die Flugkosten für die Pilgerreise im Jahr 2002 hat Geronzi aus seiner Privatschatulle übernommen. Droht hier die italienische Variante des Welteke-Skandals? Jedenfalls steht Geronzis Institut wie jede andere Geschäftsbank des Landes auch unter der Kreditaufsicht von Fazio.

„Ich habe ein Flugzeug gemietet, und ich habe Gäste bei mir gehabt. Das ist ja wohl mein Recht“, antwortete Geronzi vorige Woche entnervt auf Reporterfragen, ob es Kungelrunden unter Pilgerfreunden gegeben habe.

Der 69-Jährige mit der Stahlbrille und dem akkuraten Seitenscheitel wäre cooler, wenn es in seiner Hütte nicht überall brennen würde. Egal an welcher heißen Front – Capitalia und ihr Übervater Geronzi sind immer dabei.

So war das viertgrößte Kreditinstitut des Landes der wichtigste Geldgeber des implodierten Milchriesen Parmalat. Und Capitalia ist auch die Hausbank des zusammengebrochenen Tomatenimperiums Cirio gewesen. Außerdem hat sich keine Bank stärker für den maroden italienischen Fußball engagiert; faktisch kontrolliert Capitalia die beiden sportlich erfolgreichen, aber finanziell maroden Hauptstadtclubs, AS Rom und Lazio. Dementsprechend hoch waren die Abschreibungen, und entsprechend schwach fiel der letzte Jahresabschluss aus: Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von gerade einmal 31 Millionen Euro übrig.

Geronzis Problem sind indes weniger verärgerte Aktionäre, die sich über eine zu geringe Rendite beklagen. Seine größte Sorge ist die Justiz. Die Staatsanwaltschaft in Rom hat gegen ihn Ermittlungen wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankrott von Cirio eingeleitet. Capitalia hat Kredite von seinem Busenfreund, dem Cirio-Eigentümer Sergio Cragnotti, zurückgefordert, als die Schieflage deutlich wurde. Im Gegenzug soll sein Haus das Ausfallrisiko auf die Kunden abgewälzt haben, indem es ihnen Schuldverschreibungen des Nahrungsmittelkonzerns offensiv verkaufte. Hinter diesem Plan, durch den Tausende Sparer geschädigt wurden, steckte nach Ansicht der Ermittler natürlich Geronzi.

Ähnlich diabolische Züge lässt die Rekonstruktion seiner Rolle beim Parmalat-Bankrott erahnen. Aus Zeugenaussagen geht hervor, dass Geronzi dem Milchbaron Calisto Tanzi bereits 1999 die Pistole auf die Brust gesetzt und ihn gezwungen hat, für einen völlig überhöhten Preis das Milchunternehmen Eurolat von Cirio zu übernehmen. „Andernfalls hätte er Kreditlinien gekappt und alles hochgehen lassen“, sagte der ehemalige Parmalat-Finanzchef Fausto Tonna in einem Verhör.

Geronzi hat stets alle Schuld von sich gewiesen. Man wolle durch die Anschuldigungen nur seinen von der Regierung Berlusconi ungeliebten Freund treffen, den Zentralbankgouverneur Fazio. Dennoch bleibt die Tatsache stehen, dass überall, wo in Italiens Wirtschaft faule Geschäfte gemacht werden, Geronzi nicht fern zu sein scheint.

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