Oberlandesgericht spricht dem ehemaligen Mannesmann-Chef Schadensersatz zu
Esser gewinnt Kampf um seine Ehre

Emotionen zu zeigen, das ist seine Sache nicht. Formulierungen wie „Aus dem Bauch heraus“ oder „Das habe ich im Gefühl“ kommen ihm höchst selten über die Lippen.

HB DÜSSELDORF. Daher ist es für seine Verhältnisse fast ein Gefühlsausbruch gewesen, als Klaus Esser gestern nach der Urteilsverkündung am Düsseldorfer Oberlandesgericht sagte: „Dies war ein erfreulicher Tag.“ Auf die Nachfrage von Journalisten, ob er nun wirklich zufrieden sei, ergänzte er: „Natürlich.“ Und unterstrich dies mit einem breiten Lächeln.

Zuvor hatte Richter Rudolf Schüßler sein Urteil im Zivilverfahren Esser gegen das Land Nordrhein-Westfalen gesprochen: Das Land muss 10 000 Euro Schmerzensgeld an den ehemaligen Mannesmann-Chef zahlen. Denn die Staatsanwaltschaft habe während der Ermittlungen in der Mannesmann-Affäre die Persönlichkeitsrechte Essers verletzt: Details aus den Ermittlungen seien an die Presse weitergegeben worden, bevor der Betroffene davon erfuhr. Die Staatsanwaltschaft habe Esser gar der „Käuflichkeit“ bezichtigt, obwohl Indizien dafür mehr als vage gewesen seien.

Das Oberlandesgericht hat damit ein Urteil des Landgerichts vom Frühjahr 2003 bestätigt – und Esser auf diesem Wege eine weitere Schlacht gewonnen: den Kampf um seine volle Rehabilitierung.

Seine Welt ist nach dieser Entscheidung wieder in Ordnung – was auf den ersten Blick nicht so einfach zu verstehen ist. Schließlich wies das Oberlandesgericht seine Forderung nach einem Schadensersatz von 200 000 Euro zurück. Aber darum ging es Esser gar nicht. Er wollte nur, dass ein Richter mal klar und deutlich feststellt, die Staatsanwaltschaft habe Fehler gemacht, sie sei teilweise viel zu weit gegangen.

Esser sieht die Welt differenzierter, spitzfindig und kompliziert sagen einige, und das gilt auch für das vorausgegangene Urteil im wohl spektakulärsten Strafprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Da entschied das Düsseldorfer Landgericht, dass einige ehemalige Mannesmann-Aufsichtsräte mit der Vergabe von Prämien und Abfindungen zwar gegen das Aktienrecht verstießen, sich aber nicht wegen Untreue strafbar machten. In Essers Betrachtungsweise bedeutet das: Wo keine Untreue vorliegt, kann er nicht – wie die Staatsanwaltschaft behauptete – Beihelfer gewesen sein. Und da er nicht selbst über die Prämien entschied, hat er auch nicht gegen das Aktienrecht verstoßen. Dieser Freispruch ist noch nicht rechtskräftig, eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes steht dazu aus.

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