Österreich
Große Koalition

Am Mittwoch, als die Öffentlichkeit eingeweiht wird, sitzen Wolfgang Ruttenstorfer und Hans Haider noch länger beieinander. Die Eröffnungsschlacht ist geschlagen, es bleiben ein paar Minuten für eine erste Bilanz. In Österreich vereinigt sich ein roter Ölprinz mit einem schwarzen Stromriesen.

WIEN. Am Morgen haben der Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV und sein Kollege vom Stromerzeuger Verbund zuerst den Analysten darüber Rede und Antwort gestanden, warum sie sich zusammenschließen. Kein leichter Job, denn die Finanzgemeinde ist auf diesen Deal zwischen Ölprinz und Stromriesen nicht vorbereitet: „Keine Synergien!“ „Rein politisch motiviert!“ „Kehrtwende in der Strategie!“

So lautet die Kritik, die ihnen entgegenschallt. Doch Ruttenstorfer, der gerne in dezentes Blau gekleidete OMV-Chef geht in die Offensive: „Wir ergänzen uns“, bellt er zurück. Und Haider, der ältere und kantigere, brummt etwas von einer „Wachstumsfusion“.

Eine Stunde später wiederholt sich das Schauspiel, diesmal wollen Journalisten wissen, wieso sie es gut finden sollen, wenn in Österreich ein Energiegigant entsteht. Wieder die gleiche Prozedur: Ruttenstorfer eröffnet, Haider sekundiert. Zwischendurch wird dem Paar an diesem Vormittag eine Meldung gereicht: Die Aktienkurse beider Unternehmen, die nach Gerüchten über eine Fusion eingebrochen und zeitweise vom Handel an der Wiener Börse ausgesetzt waren, steigen wieder. Kritiker, die tags zuvor an der Börse ihre OMV- und Verbund-Aktien wie Altpapier abgestoßen hatten, kaufen zu.

Die Strategie des ungleichen Paars scheint aufzugehen. Haider erinnert sich an den Vortag. Er sei weg vom Fenster, hatte da in den österreichischen Zeitungen gestanden. Ruttenstorfer werde den neuen Job alleine machen. Einige Stunden musste Haider mit dieser Schlagzeile leben. So etwas kann am Ego kratzen, wenn man kurz vorher noch als „Herr der Kraftwerke“ hofiert wurde. Jetzt stellt Haider fest: „Wir führen das neue Unternehmen zusammen.“ Und Ruttenstorfer ist es, der sekundiert: „Wir bleiben Freunde.“ Beinahe im Chor zitieren sie dann eine Floskel, die sich manch einer, der sie auch schon in den Mund genommen hat, im Nachhinein lieber verkniffen hätte: „Da passt kein Blatt Papier dazwischen.“

Dicke Freunde also? Natürlich, beide gehören zur Wiener Gesellschaft. Was aber nichts heißen will. Der letzte Fremde, der zu dem Kreis zählte, der sich beim Tennis oder in der Oper trifft, war Austrian-Airlines-Chef Vagn Sörensen – ein Däne, der sich jetzt wieder auf in die Heimat macht.

Weil also von außen niemand stört, unternehmen die Wiener gerne ihre eigenen Störmanöver. Rot gegen Schwarz heißt das Spiel, das jetzt, da die Schwarzen seit Jahren allein an den politischen Hebeln sitzen und die Gegenpartei mit Blick auf die bevorstehende Wahl Morgenluft schnuppert, an Härte zunimmt.

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