Österreichische Post
Hiermit bewirbt sich der Chef

Nanu? Zweieinhalb Monate nach dem Börsengang der Österreichischen Post jagte gestern folgende Meldung durch die Agenturen: Alle vier Vorstandspositionen werden zum nächsten Sommer neu ausgeschrieben. Denn Österreichs Post fällt unter ein skurriles Gesetz.

WIEN. Die Zukunft von Postgeneraldirektor Anton Wais, seinem Finanzchef Rudolf Jettmar, dem Logistik-Vorstand Walter Hitziger und dem fürs Kundengeschäft verantwortlichen Herbert Götz sei nicht gesichert.

Prompt bröckelte der Kurs der Post-Aktie: Internationale Anleger begannen sich offenbar Sorgen zu machen. Steckt der gelbe Riese, der im Vergleich zur deutschen Konkurrenz zwar ein Zwerg ist, in Österreich jedoch im Börsenindex ATX gehandelt wird, in einer Krise?

Fehlalarm. Nur die Politik hat wieder reinregiert. Aber das tut sie eben noch immer ziemlich oft in Österreich. Diesmal geht das so: Im Bürgerlichen Gesetzbuch, Teil I, Nr. 26, aus dem Jahr 1998 findet sich das Stellenbesetzungsgesetz. Danach müssen „Unternehmungen (...) bei denen die finanzielle Beteiligung des Bundes gleich oder größer als die Summe der Beteiligungen anderer Gebietskörperschaften ist, beim Abschluss von Verträgen im Zusammenhang mit (...) der Wiederbestellung von Mitgliedern eines Leitungsorganes entsprechend dieser Verordnung“ vorgehen.

Die Post fällt unter dieses Gesetz: Nur 49 Prozent sind an der Börse, 51 Prozent besitzt eine Staatsholding. Für Wais und seine Mannen heißt das: Sie müssen sich der ganz normalen Bewerbungsprozedur unterziehen. Wahrscheinlich werden sie das auch machen, denn die Altersgrenze hat nächstes Jahr noch längst keiner von ihnen erreicht.

Auch die Bewerbung ist detailliert geregelt: Die Kandidaten „haben in ihrer Bewerbung die Gründe dafür anzuführen, die sie für die Besetzung dieser Stelle als geeignet erscheinen lassen“, steht im Gesetz. Wais könnte zum Beispiel anführen, dass er seit seinem Amtsantritt 1999 die Post umgekrempelt hat. Er strich bei dem Unternehmen, das seit Menschengedenken rote Zahlen schrieb, 8 000 Stellen und schloss 1 000 Filialen. Wenn er darüber in seiner Bewerbung schriebe, schwänge zwischen den Zeilen wahrscheinlich mehr Stolz mit als Bedauern, denn nur so war der Teilbörsengang möglich.

Die Gewerkschaften sind immer noch entsetzt, aber sie befinden sich gerade in einer Position in Österreich, in der sie wegen eigener Skandale nicht viel zu sagen, aber jede Menge Geld einzusparen haben.

Wais Bewerbung wird an höchster Stelle beim Finanzministerium in Wien landen, das letztlich für die Staatsholding und damit für die Post verantwortlich ist. Dort wird dann nicht ausschließlich nach fachlichen, sondern auch nach politischen Kriterien entschieden. Aber auch das ist ja nicht neu. Und Wais, der ein gehäuteter Sozialdemokrat ist, dürfte gute Karten für eine neue Runde haben.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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