Österreichs Ex-Kanzler steigt bei VW auf
Viktor Klima: Wirklich ein guter Autoverkäufer

VW bestätigte am Mittwoch neben einer Reihe von Personalrochaden, dass Viktor Klima zum Jahreswechsel oberster Chef in Südamerika sein wird. Damit steigt der ehemalige sozialdemokratische österreichische Bundeskanzler bei VW weiter auf. Doch die Wiener können so gemein sein.

WIEN. Ein konservativer Wiener Politiker, der derzeit die Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten verfolgt, stellte zur Nachricht von Klimas Karrieresprung bei einer Tasse Melange fest: „Offenbar ist er wirklich ein guter Autoverkäufer.“

Der Satz beinhaltet vieles von dem, was die Österreicher über ihren ehemaligen Regierungschef denken, der während seiner kurzen Amtszeit von 1997 bis 1999 Probleme so überzeugend unter den Teppich kehrte, dass er als „besserer Autoverkäufer“ galt. Als er sich nach den Wahlen 1999 vom derzeitigen Noch-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel austricksen ließ und die Regierungsbildung ohne ihn stattfand, weinte niemand Klima eine Träne nach, als der wenige Monate später einen gut dotierten Posten für VW in Argentinien antrat.

Ganz zufällig hatte sich die Gelegenheit sicher nicht ergeben: Klima kannte Gerhard Schröder gut. Der Niedersachse und VW-Freund dürfte seinem Wiener Kollegen den Weg geebnet haben. Nicht von Nachteil war dabei sicher auch, dass Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ein Landsmann Klimas ist und sich der Ex-Politiker vor seiner Karriere als Staatsmann beim österreichischen Ölkonzern OMV als Finanzchef verdient gemacht hatte. Im Gedächtnis der Wiener haften geblieben ist aus der jüngeren Vergangenheit Klimas nur ein Rosenkrieg mit seiner geschiedenen Frau, der die Klatschspalten füllte.

Für VW dürfte anderes ausschlaggebend gewesen sein. Der 59-Jährige leistete in Argentinien ganze Arbeit. VW ist dort Marktführer und äußerst erfolgreich im Export. Argentiniens kometenartiger Aufstieg aus der Krise hat das zwar erleichtert. Vor allem aber soll es Klima gelungen sein, die Mitarbeiter zu begeistern.

Anderswo auf dem Kontinent ergeht es VW weniger rosig. In Brasilien will der Konzern 6000 Arbeitsplätze streichen, was Proteste hervorrief. Der Präsident von VW do Brasil, Hans-Christian Maergner, geht nun bereits mit 61 Jahren in den Ruhestand. VWs Hoffnungen dürften jetzt darauf ruhen, dass der Ex-Politiker ein diplomatischeres Klima erzeugt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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