Øystein Løseth
Ein neuer Strahlemann für Vattenfall

Der schwedische Energieriese hat einen neuen Vorstandschef. Der Norweger muss die Interessen im Staatskonzern neu ausbalancieren. Løseth scheint zu wissen, auf was er sich eingelassen hat: Seit 25 Jahren arbeitet der 51-Jährige in der Energiebranche, mit dem Staat als Unternehmenseigner hat er einschlägige Erfahrungen gemacht.
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STOCKHOLM. Er strahlt, als gelte es, den Rekord im Freundlichsein zu brechen. Der Norweger Øystein Løseth soll die Leitung des schwedischen Energieriesen Vattenfall übernehmen und im nächsten Sommer dann den bisherigen Chef, Lars G. Josefsson ablösen. Und der 51-jährige Løseth war nicht der Einzige, der an diesem Montag das regnerische Grau vor der Hauptzentrale von Vattenfall mit einem breiten Lächeln wegblasen wollte.

In der Sturegatan mitten im Stockholmer Finanzzentrum versuchten gleich drei Herren Sonnenschein zu verbreiten. Die fast ausgelassene Stimmung von Løseth, dem Noch-Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson sowie dem Aufsichtsratschef des Staatskonzerns, Lars Westerberg, hatte einen guten Grund: Endlich konnte man mit der Präsentation des Josefsson-Nachfolgers wieder Handlungskraft beweisen, musste sich nicht länger von immer neuen Gerüchten weiter in die Enge treiben lassen.

Vergessen schienen die letzten Tage, in denen der schwedische Energieriese Vattenfall und sein Chef wegen seiner Deutschland-Tochter und den Zwischenfällen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel massiv in die Kritik geraten waren. Zudem hatte der Vattenfall-Chef noch eine Haftungsverpflichtung für die beiden norddeutschen AKWs unterschrieben. Bei einem Unfall müsste der schwedische Konzern komplett für alle Schadensersatzforderungen geradestehen.

Es folgte eine fast beispiellose Medienkampagne, in der der alleinige Eigner des Konzerns, der Staat, zum Reagieren gezwungen wurde: Wirtschaftsministerin Maud Olofsson kritisierte mehrfach Josefsson und warf ihm vor, die Regierung nicht über den Haftungsvertrag unterrichtet zu haben. Auch werfe der Konzern zu wenig Gewinn ab, setze zu wenig auf erneuerbare Energien und habe den eigenen Namen schwer beschädigt. Dass sie selbst den Aufsichtsrat besetzt hat, verschwieg die Ministerin.

Løseth scheint zu wissen, auf welches Spiel er sich einlässt. Lächelnd erklärte er gestern: "Vattenfall ist wohl ein Grenzgänger zwischen freiem Unternehmertum und der Politik. Das ist kompliziert." Der von der Regierung eingesetzte Aufsichtsratschef und frühere Boss des Autozulieferers Autoliv, Westerberg, stärkte ihm den Rücken: "Schweden kann stolz auf Josefsson sein."

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