Offenbar Probleme mit Francioni
Finanzvorstand verlässt Deutsche Börse

Nach Unstimmigkeiten im Vorstand der Deutsche Börse hat der bisherige Finanz- und Personalchef Thomas Eichelmann die Konsequenzen gezogen und verlässt den Frankfurter Börsenbetreiber.

ret/HB FRANKFURT. Nach einer Meldung des Börsenkonzerns scheidet Eichelmann zum 30. April 2009 aus dem Vorstand aus. Als Begründung nannte die Börse gestern in einer Mitteilung "teilweise unterschiedliche Auffassungen zu einzelnen geschäftlichen Aspekten". Dass in der Pressemitteilung expressis verbis darauf hingewiesen wird, diese Trennung erfolge "aber in guter Übereinkunft mit dem Aufsichtsrat", wird in Börsenkreisen als Zeichen dafür gewertet, dass vor allem das Verhältnis Eichelmanns zu Vorstandschef Reto Francioni zerrüttet ist. Dieser übernimmt bis zur Berufung des Nachfolgers kommissarisch die Leitung des Vorstandsressorts

Der 43-jährige Eichelmann, der erst seit Juli 2007 Finanzchef der Börse war, hatte bei einigen rebellierenden Großaktionären - wie den Hedge-Fonds Atticus und TCI - einen guten Ruf. Als "Finanzmann" habe er für einige Belange dieser renditehungrigen Finanzinvestoren durchaus Verständnis gezeigt, hieß es bei Frankfurter Wertpapier-Analysten. Inzwischen sind diese Hedge-Fonds nach massiven Wertverlusten in der Finanzkrise selbst sehr stark angeschlagen. Im Vorstand scheint es deshalb nun unterschiedliche Auffassungen darüber zu geben, wie sich die Deutsche Börse gegenüber diesen "ungeliebten" Aktionären verhalten sollte. Börsenchef Francioni hatte sich zuletzt zunehmend kritisch zu den Forderungen der Hedge-Fonds nach Aktienrückkäufen und höheren Dividendenausschüttungen geäußert.

Francioni gilt nach dem Abgang Eichelmanns in Finanzkreisen jetzt als der starke Mann an der Spitze des Frankfurter Börsenkonzerns. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Manfred Gentz sagte, Eichelmann habe wichtige Maßnahmen im Kosten- und Kapitalmanagement erfolgreich implementiert.

Analysten hatten vor allem Eichelmanns striktes Kostenmanagement gelobt, im Zuge dessen unter anderem die Konzernzentrale von Frankfurt ins steuergünstige Eschborn verlegt wurde. Intern war Eichelmann mit seinen Sparplänen allerdings auf weniger Begeisterung gestoßen, nachdem bei dem erfolgsverwöhnten Konzern auch unbeliebte Maßnahmen wie Personalabbau umgesetzt wurden.

Am Aktienmarkt sorgte der Abgang des Managers für Kursverluste: Die Aktien des Konzerns drehten nach der Nachricht ins Minus. "Eichelmann war erfolgreich, er war ein Macher des Erfolgs der letzten Jahre", sagte ein Börsianer. Die Aktien gaben 0,4 Prozent auf 39,82 Euro nach, nachdem sie vor der Mitteilung rund zwei Prozent im Plus notiert hatten. Ein Analyst sagte, die Nachricht sei eine "absolute Überraschung."

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