Offenlegungspflicht
Firmen müssen nicht jedes Detail preisgeben

Die Neuregelung der Publizitätspflicht versetzt derzeit viele mittelständische Firmen in Aufregung: Mit Beginn des neuen Jahres müssen alle betroffenen Firmen den Jahresabschluss ins Unternehmensregister eintragen und der Öffentlichkeit preisgeben. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, dem drohen deftige Ordnungsgelder bis zu 25 000 Euro.

DÜSSELDORF. Das ist schwer verdaulich für verschwiegene Unternehmen. Allerdings gilt: Wer sich partout nicht in die Zahlen schauen lassen will, kann die Regelung entweder umgehen oder zumindest vermeiden, nicht zu viele Details offenlegen zu müssen. "Jede Firma sollte prüfen, ob sie die Publizität auf ein für sie erträgliches Maß herunterfahren kann", rät Steuerberater Carsten Kaufmann von der Beratungsgesellschaft Remy & Kaufmann. Seine Erfahrung lautet: Vor allem kleinere Firmen glauben, mehr Details offenlegen zu müssen, als erforderlich ist.

Die Fakten sind zunächst eindeutig: Etwa eine Million Unternehmen sind ab dem 1. Januar verpflichtet, ihren Jahresabschluss im elektronischen Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Über die Internetseite www.unternehmensregister.de kann dann jedermann kostenlos die Daten der Unternehmen einsehen. Es betrifft alle Kapitalgesellschaften, aber auch Personengesellschaften und dort vor allem Firmen mit der beliebten Rechtsform der GmbH & Co KG.

Bislang galt: Den Jahresabschluss muss eine nicht börsennotierte Firma erst dann veröffentlichen, wenn jemand dies beim Registergericht beantragt hat. Dies nutzten zwar Kunden, Gläubiger oder Lieferanten - nach Erfahrung Kaufmanns kannten aber viele dieses Recht nicht.

Ab Januar besteht die Pflicht automatisch. Das Bundesamt für Justiz kündigte bereits konsequentes Vorgehen gegen säumige Firmen an. Die Unternehmen selbst stehen dem kritisch gegenüber, wie eine Umfrage der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers zeigt. Danach fürchten Firmen, dass ihre Kalkulationen für Kunden und Lieferanten durchschaubar werden - mit entsprechenden Folgen für die künftige Preisgestaltung. Andere erwarten eine "Ausspionierung", weil jedermann die Daten im Internet einsehen kann.

Grundsätzlich gilt: Die Veröffentlichung ist nur schwer zu vermeiden. Ein Weg dazu ist das sogenannte "Opa-Modell" bei der GmbH & Co KG: Danach wird im Familienkreis jemand ausgeschaut, der als persönlich voll haftende natürliche Person in die Gesellschaft eintritt. Damit entfällt die Publizitätspflicht. Auch mit dem Wandel in eine OHG wird dies erreicht. Beides ist aber nicht rückwirkend möglich, so dass auch im Fall der Umwandlung die Jahresabschlüsse 2005 und 2006 im kommenden Jahr offengelegt werden müssen. Firmen mit vielen verschiedenen Gesellschaften können der Offenlegung von Details auch dadurch entkommen, indem sie freiwillig einen Konzernabschluss machen.

Diese Wege scheuen aber viele Firmen, weil sie hohe Kosten oder Haftungsprobleme mit sich bringen. Für kleinere Gesellschaften lohnt es sich eher, die Erleichterungen zu prüfen. Sogenannte kleine Gesellschaften mit bis zu acht Mill. Euro Umsatz und weniger als 50 Mitarbeitern müssen nur eine verkürzte Bilanz vorlegen - ohne Gewinn- und Verlustrechnung und Lagebericht.

Beides ist bei mittelgroßen Gesellschaften mit bis zu 32 Mill. Euro Umsatz und 250 Mitarbeitern Pflicht - jedoch gibt es auch hier Gestaltungsmöglichkeiten: Es muss nicht der Bruttoumsatz vorgelegt werden, sondern es reichen die zum Rohergebnis zusammengefassten Positionen, erläutert Kaufmann. Und: Alle GmbHs müssen - sofern die Gesellschafter natürliche Personen sind - keine Angaben zur Ergebnisverwendung machen. Kaufmann erwartet, dass künftig mehr Firmen wegen der Offenlegungspflicht dazu übergehen, eine Steuerbilanz und eine Handelsbilanz zu erstellen und die für sie "günstigere" Darstellungsart veröffentlichen. Doch auch dies hat Konsequenzen: mehr Kosten und Bürokratie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%